Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 26.11.2015

Interview mit Jäger Fredi Himmelberger

Seit wann bist Du Jäger?
Mit dem Jagen befasse ich mich seit 1981, nachdem mich zwei ehemalige Mitarbeiter im Rheintal zur Jagd mitnahmen. Aktiver Jäger im Thurgau bin ich seit 2006.

 

 

Warum? Wie bist du dazu gekommen?
Einst kriegte ich als Weihnachtsgeschenk ein «Fürstblesshorn»-Jagdhorn, erlernte das Jagdhornspiel und erhielt so immer mehr Einblick in die Jagd. Mein Bild zur Jagd veränderte sich total. Später habe ich die Jagdausbildung gemacht.

Was ist das Faszinierende an der Jagd?
Es ist die Hege und Pflege unseres Wildes in der Natur. Die Jagdausbildung gibt die Grundlagen vor. Ein Jäger muss Kenntnisse über Wald-, Wild- und Jagdkunde aufweisen. Wildökologie und Wildkrankheiten gehören ebenso dazu wie die Landwirtschaft und das Forstwesen. Mich fasziniert unser Wild, seine Lebensgewohnheiten, seine Population, das Zusammenspiel zwischen Agrarwirtschaft und Natur. Die Stille und Ruhe im Wald morgens früh oder spät abends sind unglaublich erholsam. Auf der Pirsch lernt man Bäume und Pflanzen kennen, findet Spuren von Wildtieren, oder hört einfach dem Gezwitscher der Vogelwelt zu. Bei all dem fehlt der vierbeinige Begleiter an der Leine nie.

Welche Art Jagd betreibst Du?
Im Thurgau üben wir die sogenannte Revierjagd aus. Neben all den Revierarbeiten im laufenden Jahr betreiben wir im Sommer die Ansitz- oder Pirschjagd. Ab Oktober bis Dezember erfolgt dann die sogenannte «Offene Jagd».

Wo liegt Dein Revier?
Ich darf im Jagdrevier Hüttwilen, zusammen mit dem Revier Eschenz, das Waidwerk betreiben. Zusammen ein grosses Jagdgebiet, das viele Hegearbei­ten aufgibt.

Welche Aufgaben hat ein Jäger?
Diese Frage vollständig zu beantworten würde mindestens eine Doppelseite einer Zeitung füllen. Auch hier zeigt schon die Jagdausbildung, dass nicht einfach das gute Schiessen verlangt wird. Unter Hege und Pflege versteht ein Jäger das ganzjährige Beobachten des Wildes. Nach einem Autounfall mit einem Wild oder einer Meldung von Personen über verletztes Wild hat er die Nachsuche und/oder Entsorgung zu jeder Tages- und Nachtzeit zu gewährleisten. Er arbeitet mit Förstern und Landwirten zusammen. Dies kann beim Absuchen von Wiesen nach Rehkitzen sein oder an Einsätzen bei Schäden an Wiesen oder Maisfeldern durch Wildschweine. Das Rehwild wird zwei Mal im Jahr gezählt und so der durchschnittliche Bestand in Absprache mit den Förstern ermittelt. Aufgrund dieser Daten wird einer Jagdgesellschaft vom Kanton («Jagd- und Fischerei- Abteilung») die Anzahl des zu erlegenden Rehwildes vorgegeben. Das Erlegen eines Wildes setzt Bewusstsein, Ethik, Verantwortung und Wissen über das jagdliche Brauchtum voraus. Der Jäger versucht, die Natur und den Wildbestand in Einklang zu halten.

Röbi Zahnd, der Stadtförster, hat kürzlich gesagt, an der Wildschweinfront in Frauenfeld sei es zurzeit verdächtig ruhig, ganz im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden. Wie schaut’s bei euch aus?
Es ist richtig, dass der Bestand an «Schwarzkitteln»im Thurgau sehr unterschiedlich ist. Laut amtlichen Angaben wächst der Bestand aber erheblich. Dies erleben wir auch in unserem Jagdrevier. Kaum eine Treibjagd, also Bejagung eines Waldviertels, erfolgt, ohne dass Wildschweine ausreissen. Das See­rückengebiet müssen die Wildschweine besonders mögen, denn hier breiten sie sich stark aus. Und wenn man weiss, dass eine Bache (weibliches Tier) Ende Februar bis zu 10 Jungtiere aufzieht und bereits im Spätsommer oder Herbst ein weiteres Mal Junge etwa in der gleichen Anzahl wirft, kann man sich die Erweiterung des Bestandes an Wildschweinen gut vorstellen.

Der Chnuri der Frauenfelder Woche hat in einem humorvollen, aber witzlosen Artikel behauptet, die Jäger seien schwerhörig und kurzsichtig und schössen auf alles mögliche, z.B. auf Heulader und Kreiselmäher. Was sagst Du dazu?
Ich bin überzeugt, dass die Jägerinnen und Jäger heute sich ihrer Aufgabe und Konsequenzen sehr bewusst sind. Das Erlegen eines Wildes ist in der knappen Zeit vor der Schussabgabe gut zu überlegen. Ein führendes Tier, das heisst Muttertier mit Jungen, darf nicht beschossen werden. Das Verletzen von jagdgesetzlichen Regeln hat rechtliche Konsequenzen und kann bis zum Entzug der Jagdberechtigung führen. Das Beschiessen von Heuladern oder Rapidmähgeräten ist Geschichte, oder es sind teilweise Märchen. Ich meine, auch wenn solche Aussagen witzig gemeint sind, sollten sie nicht veröffentlicht werden. Jägerkritische Personen finden hier eine Bestätigung ihrer negativen Einstellung. All diesen Menschen empfehle ich gerne, sich einmal mit Jäger-innen und Jägern über Wald, Wild und Natur aus Sicht des Jägers zu unterhalten. Auch wenn es wie überall auch sogenannte «schwarze Schafe»gibt, hilft die Jagd uns allen. Das erlegte Wild gibt uns schliesslich auch mit seinem Wildbret hervorragendes Wildfleisch.

Fredi Himmelberger, danke fürs
Interview und: Waidmanns Heil!