Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 02.12.2015

Bei Kaffee und Gipfeli entwarfen wir die Zukunft der Stadtkaserne

Voraussichtlich 2019 zieht die Armee aus der Stadtkaserne aus. Was soll aus dem frei werdenden Areal nahe am Bahnhof werden? So lautete die Fragestellung an der Fokus-Veranstaltung am Samstagmorgen, an der mehr als 100 (!) Personen teilnahmen.

 

 

Der Anlass war hochinteressant! Es schaute viel heraus. Nun lässt sich bereits ein roter Faden, eine Grundströmung, erkennen. Wir erinnern uns noch an die Work-Shops im Nachgang zur F21. Die waren so kompliziert! und brachten nichts. Die Spielanlage am Samstag hingegen war einfach und gut geführt: Nach der Einleitung durch Stokholm und zwei Experten wurde an 10 Tischen bei Kaffee und Gipfeli locker diskutiert, anschliessend trugen die Gruppensprecher mit Redezeit von wenigen Minuten die Ergebnisse vor, voilà! Der rote Faden war noch vor 12 Uhr mittags gezogen!

Zwei, drei Vorbemerkungen:
1. Der einzige Mangel des Fokus‘ war, dass keine Kurzführung durch die Stadtkaserne möglich war.
2. Die 10 Gruppensprecher sollten sich zur «Taskforce Stadtkaserne» zusammenschliessen, um Stokholm und Müller zu unterstützen und zu beraten. Auch Obama hat Berater.
DIESE Form der Problemeingrenzung und Lösungsfindung mit der nach oben schmaler werdenden Pyramide (wie am Samstag) ist sehr effizient und könnte auch für andere Dauerkonflikte (Verkehr) Anwendung finden.
3. «Man darf jetzt nichts verpassen»: Deshalb muss mit Planen jetzt angefangen werden, nicht erst 2019. Man muss die Sache geduldig zu Boden reden. Wenn schon Maier‘s Glühweinstand einen Impuls setzt, wie sehr könnte dereinst die Stadtkaserne mit dem übrigen Ensemble Innenstadt und Werkhof als Pulsgeber funktionieren! (städtebauliche Perle).

Zu Beginn standen die Rahmenbedingungen zur Diskussion:

Selbst- oder Fremdbestimmung? (Stadt oder Investoren?)
Laut oder leise? (Shoppingcenter, Konzerte oder etwas anderes?)
Warm oder kalt? (Wir froren uns am Samstagmorgen in der ID-Halle fast die Füsse ab.)
Parkieren oder nicht?

Nun einige Ergebnisse, die sich handfest durch die Voten der Sprecher zogen:

1. Das Areal muss einfach mal der Stadt gehören, d.h. sie muss das Baurecht besitzen. Outgesourct an Auswärtige würde der Finanz-Kosmos regieren, das will niemand.
2. Soll in der Kaserne gewohnt werden? Nicht unbedingt, weil: Rundum wird gewohnt. Vielleicht könnte ein kleinerer Anteil Wohnen (z.B. Alterswohnen) im Nordtrakt in den oberen Stöcken möglich sein.
3. Immer wieder taucht das Wort: «MISCHNUTZUNG» auf. Auch Zwischennutzungen sind möglich. Die hohen Einzelzimmer und Säle westseits könnten einzeln vermietet werden an Start up‘s (der jetzige Standort Walzmühle ist ungünstig), für Jugend, Begegnungsräume, Berufsschule, Einzelfirmen, Werkstätten, Ateliers, Hotel, Feierabendbar, kleines Konzertlokal, Hist. Museum, Seminarräume, Kommerz und Privat, Wochenmarkt in der ID-Halle (bei Regen super), Stadtcasino, Wetterbaum etc. usf.. Es ist nicht so wichtig, was dann letztlich Einzug hält (es kann ja auch wechseln), aber als Konstante gilt: «MISCHNUTZUNG»! Klein aber fein.
4. Soll die ganze Kant. Verwaltung in die Kaserne? Was natürlich «gäbig» wär‘, weil viele wunderschöne Villen in der Innenstadt frei würden. Aber dann wär die Kaserne tot (wie heute)! Man will ja das Areal als Pulsgeber, als «spirituellen» inneren Mittelpunkt mit viel Publikumsverkehr und -Durchlauf situieren, was nicht automatisch «lautstark» bedeuten müsste.
5. In der neuen «Stadtkaserne 2019» soll man sich treffen. Sie wird der eigentliche Stadtkern sein. Abgelehnt wird ein 24-Stunden-Betrieb, und verworfen werden auch die oberirdischen Pendlerparkplätze. Auch das Votum stand im Raum: Soll die jetzige Kaserne – denkmalgeschützt und Architekt Brenner hin oder her – nicht doch lieber abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden? Überlegt euch das einmal...?
6. Wie war das mit dem Sulzer-Areal in Winterthur? Dort wurden die Räume billig an Geschäfte vermietet. Sofort entstand viel Eigendynamik. Und heute ist das Sulzer-Areal – das notabenev nicht so günstig liegt wie die Stadtkaserne – eins der legendären Jetzt-Zentren unserer Nachbarstadt.

Fazit: Stadtkaserne, aus dir wird noch was. Stokholm sagte zu Beginn: «Die bisherigen Nutzungen alter Kasernen in der Schweiz stellten sich allesamt als Desaster heraus. Die mögliche Nutzung regt die Fantasie enorm an, aber es sind viele Hindernisse zu überwinden, man kann nicht einfach ein Band durchschneiden. Also, was ist möglich? Gebt uns heute morgen Empfehlungen und eine Stossrichtung ab!»
Die hat er gekriegt! Der Stadtrat, die Gruppensprecher und wir alle: Wir bleiben miteinander im Gespräch. (Eugen Benz)

 

 

Bei Kaffee und Gipfeli entwarfen wir die Zukunft der Stadtkaserne