Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 10.02.2016

«Unproduktive Wegzeiten»

Stadtrat direkt – Elsbeth Aepli Stettler – Stadträtin

Spitex heisst Pflege und Betreuung zuhause. Logisch kommen Spitex-Mitarbeitende zu den Kunden heim. Unlogisch ist jedoch, dass die Spitex Wegzeiten und Wegkosten gemäss Gesetz weder den Kunden noch der Krankenkasse in Rechnung stellen darf.

 

 

Bei der gemeinnützigen Spitex, die einen öffentlichen Versorgungsauftrag hat und auch für einen 10-Minuten-Einsatz einen langen Weg in Kauf nehmen muss, bleiben diese Kosten bei den Gemeinden hängen. Private Spitexanbieter hingegen minimieren ihren Aufwand, indem sie keine Kurzeinsätze machen, sondern erst ab 2 Stunden pro Tag kommen – oder indem sie Mitarbeiterinnen für die Wegzeiten schlicht nicht entschädigen.
Bei der Spitex Frauenfeld sind mit der Vergrösserung des Einsatzgebietes die Kosten für die Wegzeiten gestiegen und damit verbunden führen die steigenden Spitex-Ausgaben zu Diskussionen. In diesem Zusammenhang ist gar von «sinkender Produktivität» der Spitex die Rede. Da war kürzlich eine Bemerkung meines Stadtratskollegen Ruedi Huber ein echter Aufsteller. Wie andere Stadtratsmitglieder war er unlängst mit einer Spitexmitarbeiterin auf einer Morgentour und meinte dann angesichts der langen Wege: Eine Fahrt übers Land ist wie ein Debriefing – denn die Mitarbeiterin hat Zeit, sich auf eine neue Kundin einzustimmen. Aus diesem Blickwinkel kann man den «unproduk­tiven Wegzeiten» durchaus auch etwas Positives abgewinnen.