Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 07.10.2016

Kunstführer über Pfahlbauten in Hüttwilen vorgestellt

Die Pfahlbauten standen vor kurzem in Hüttwilen einmal mehr im Mittelpunkt des Interesses. Dort fand die Vernissage des Schweizerischen Kunstführers «Pfahlbauten in der Schweiz» statt. Der Ort wurde nicht zufällig gewählt: Das Seebachtal ist mit seinen Pfahlbauten Teil des Unesco-Welterbes. Und diese Geschichte erlebte vor mehr als fünf Jahren ihren ersten Höhepunkt.

 

 

Im Juni vor fünf Jahren hatte das Pfahlbauerfieber nicht nur die Schweiz und damit auch den Thurgau gepackt, sondern Interessierte in sechs Ländern rund um die Alpen. Eine wichtige Entscheidung stand an, die Angestellten des Thurgauer Amts für Archäologie zeigten das mit ihren T-Shirts, auf denen sie Werbung für die Pfahlbauten machten. In einem Dossier, das die Kandidatur als Unesco-Welterbe begleitete, liest man unter anderem: «An keinem anderen Ort der Welt wird die Entwicklung jungsteinzeitlicher und metallzeitlicher Siedlungsgemeinschaften so deutlich sichtbar: die Forschung kann ihre Kultur, Wirtschaft und Umwelt vom 5. bis ins 1. Jahrtausend v. Chr. detailliert erhellen.»

111 Siedlungen sind Welterbe
Am 27. Juni 2011 war es dann soweit. Das Welterbekomitee der Unesco entschied, die Kandidatur «Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen» in die Welterbeliste aufzunehmen. Von den rund 1000 bekannten und erfassten Fundstellen in sechs Ländern war eine Auswahl von 111 Pfahlbausiedlungen zur Kandidatur vorgeschlagen worden, 56 davon in der Schweiz. In der Region um Frauenfeld umfasst die Liste die Fundorte Nussbaumersee (Hüttwilen-Uerschhausen), den Egelsee bei Gachnang-Niederwil, Eschenz mit der Insel Werd und, als letzte Fundstelle im Kanton, die Arboner Pfahlbaudörfer in der Bleiche.

Erste Pfahlbauer vor 8000 Jahren
Im Beisein der Thurgauer Regierungspräsidentin Monika Knill, von Kan-tons­archäologe Hansjörg Brem, von Vertretern der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, der Swiss Coordi­nation Group Unesco Palafittes und weiteren Festrednern wurde in Hüttwilen die neueste Publikation der GSK präsentiert, der von Vertretern der Swiss Coordination Group Unesco Palafittes (Schweizerische Koordinationsgruppe der Unesco-Pfahlbauten) erarbeitet worden ist. In diesem Büchlein werden die interessante Geschichte der Pfahlbauten und auch Details rund um deren Nominierung als Weltkulturerbe ausführlich dokumentiert. «Der vorliegende Führer hat sich zum Ziel gesetzt, dieses bemerkenswerte Kulturerbe bekannt zu machen, indem die Orte, an denen die ersten Ackerbauern und Viehzüchter unserer Region in der Zeit zwischen 6000 und 3000 v. Chr. gelebt haben, wieder sichtbar gemacht werden», schreiben die Autoren in der Einleitung. Die Publikation weist auf alle Fundstätten von Pfahlbauten in der Schweiz hin, im Thurgau wird aber die Region Seebachtal als Beispiel besonders hervorgehoben und behandelt.

Per Velo zu den Pfahlbauern
Im Rahmen der Vernissage lud Kantonsarchäologe Hansjörg Brem zu einer Führung bei den Pfahlbauten-Fundstellen in Hüttwilen. Mit seinem Team erläuterte er die Bedeutung der wichtigsten Fundorte beziehungsweise deren Funde für die Menschheitsgeschichte in der weiteren Umgebung. «Dass der Nussbaumersee als Unesco-Welterbe gewählt worden ist, liegt an der exzellen­ten Erhaltung der Pfahlbauten unter Wasser oder in den ufernahen Feuchtgebieten, vor allem aber auch an der durch den Naturschutz beziehungsweise die Stiftung Seebachtal erreichten Stoppung der Austrockung und Aufwertung des Standortes», so Brem. Die neue Publikation enthält nicht nur allgemeine Informationen zu den Pfahlbauten, ihrer Entdeckung und archäologischen Bedeutung, sondern auch praktische Ausflugstipps, um diese Orte zu Fuss, mit dem Velo, Auto oder Zug vor Ort oder in Museen zu erkunden. (hjr)