Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 30.01.2019

Winter im Netz

Sportferien sind dann, wenn es auf den Social-Media-Kanälen nur noch ein Motiv gibt: blauen Himmel, weisse Berge und fröhliche Menschen in Winterklamotten, die vom Gipfel grinsen und wahlweise in die Luft springen.

 

 

Das soll die Daheimgebliebenen wohl neidisch machen. Entscheidend ist für mich aber vielmehr das, was auf den Bildern nicht gezeigt wird: das Anstehen am Skilift, während einem die Füsse abfrieren; die Après-Ski-Schlager, die auf der Sonnenterrasse geschmettert werden; der lauwarme, überzuckerte Punsch und die labberigen Pommes im Gipfelrestaurant; das mühsame Gehen in Skischuhen; die vollen Pisten und die grünen
Wiesen gleich daneben; der teure Skipass, der für eine Woche ungefähr so viel kostet wie das Smartphone, von dem gepostet wird.
Da lobe ich mir jene 45 Prozent der Schweizer, die in den Ferien lieber offline bleiben. Gemäss einer Umfrage der Reise-Suchmaschine momondo.ch verzichtet knapp die Hälfte der Schweizer Urlauber auf den Gebrauch von Social-Media-Kanälen. Dem nicht postenden Teil der Bevölkerung bleibt so der Stress erspart, ständig verfügbar zu sein, und den Unterländern das x-te #winterwunderland.
Ich poste inzwischen ein Foto von den kahlen Murgufern vor grauem Himmel – zu Hause ist es vielleicht nicht so spektakulär, aber dafür schön ruhig und menschenleer.

Miriam Waldvogel