Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 20.11.2019

Gesamtbild für die Agglomeration Frauenfeld im Visier

Frauenfeld, Felben-Wellhausen und Gachnang wollen weitere Bundesgelder

Die Stadt Frauenfeld erarbeitet gemeinsam mit den Nachbargemeinden Felben-Wellhausen und Gachnang ein räumlich abgestimmtes Gesamtbild «Verkehr, Siedlung und Freiraum». Damit will man beim Bund im Jahr 2025 eine Eingabe machen für das Agglomerationsprogramm der fünften Generation. Dies mit dem Ziel, weitere Bundesgelder für grössere Verkehrsprojekte zu erhalten.

 

 

Im Rahmen der ersten Förderprogramme hatte die Agglomeration Frauenfeld bereits solche Mittel erhalten – unter anderem für den Bau des Regionalen Radwegs entlang der Bahnlinie von Islikon nach Felben-Wellhausen. Seither ist es in dieser Hinsicht aber still geworden. Dies mitunter deshalb, weil etliche Teile der beiden ersten Agglomerationsprogramme noch nicht umgesetzt sind (siehe Box). Nach den Aggloprogrammen 3 und 4, bei denen keine Beiträge gesprochen wurden respektive keine Eingaben erfolgen, wird nun erst für das übernächste Agglomerationsprogramm – das fünfte – eine Eingabe geplant. Dies soll 2025 geschehen.

Die Grundlagen
Zu den Grundlagen, die der Bund für ein nächstes Agglomerationsprogramm fordert, gehören unter anderem ein Zielbild, ein Gesamtverkehrskonzept sowie konkrete Pläne zur Siedlungs- und Freiraumentwicklung. «In anderen Worten ausgedrückt – wir müssen sämtliche Faktoren der räumlichen Entwicklungsplanung berücksichtigen und in einem Gesamtbild aufeinander abstimmen», sagte Stadtpräsident Anders Stokholm am Dienstagmorgen an einer Medienkonferenz im Rathaus. Dort informierte er zusammen mit den Gemeindepräsidenten Werner Künzler (Felben-Wellhausen) und Roger Jung (Gachnang) sowie Bauvorsteher Andreas Elliker, Tiefbauchef Thomas Müller und Robert Scherzinger (Stadtentwicklung und Standortförderung).

Verkehr im Brennpunkt
Bei diesem Gesamtbild dürfe beispielsweise die Entwicklung des Gesamtverkehrs jener der Siedlungsstrategie nicht widersprechen und umgekehrt. Beim Verkehr rückt dabei einmal mehr das Thema Stadtentlastung in den Fokus. Seit Jahrzehnten bereits ist man in Frauenfeld auf der Suche nach einer mehrheitsfähigen Gesamtverkehrslösung – zuletzt scheiterte im März 2007 ein Gesamtverkehrskonzept mit der Bezeichnung F21 an der Urne knapp. Seither wurden unbestrittene Projektteile zwar realisiert (Ausbau der Bahnhof­strasse West inklusive Kreisel, Be­ge­gnungszone in der Innenstadt) – den Tunnel vom Altweg via Murgraum bei der hinteren Badiwiese zur St. Gallerstrasse gibts aber nur auf Papier. Damit verbunden wurden weitere Planungen getätigt und Alternativen zur Verkehrsentlastung geprüft – realisiert wurde aber nichts Griffiges. Aktuell wird nun der Bau eines Tunnels zwischen St.Gallerstrasse/Marktplatz und Zeughausstrasse/Schweizerhofkreisel ins Auge gefasst.

Abgestimmte Weiterentwicklung
Im Gesamtbild für die Agglomeration Frauenfeld muss die Siedlungsstrategie die Verdichtungsgebiete ebenso berücksichtigen wie die Grünräume im Siedlungsgebiet. Dabei wird mit dem Gesamtbild sichergestellt, dass alle Puzzleteile ineinandergreifen und so eine – wie vom Bund gewünschte – aufeinander abgestimmte Weiterentwicklung von Verkehr, Siedlung und Freiraum gewährleistet ist.

Richtungsentscheid im Jahr 2021
Für die Stadt Frauenfeld heisst das zudem, dass sie die vom Bund bewilligten Massnahmen aus den Agglomerationsprogrammen 1 und 2 klären und bis spätestens im Jahr 2027 umsetzen muss. «Allerdings braucht es dafür zuerst einen klaren Richtungsentscheid durch die Frauenfelder Stimmbevölkerung», sagte Stadtrat Andreas Elliker dazu. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sollen in einer Abstimmung im Jahr 2021 über die Umsetzung eines Konzeptes zu Infrastrukturmassnahmen und Temporegime auf Strassen der Innenstadt mit Unterstützung von Bund und Kanton entscheiden. «Diese Abstimmung ist für uns entscheidend, denn dann wissen wir, in welche Richtung wir planen sollen», betont der Vorsteher des Departementes für Bau und Verkehr weiter.
Wird der Vorschlag des Stadtrates durch das Volk gutgeheissen und bis 2027 umgesetzt, sollen regelmässige Wirkungskontrollen durchgeführt werden. «Sollte sich herausstellen, dass die Wirkung zu klein ist oder sich der Verkehr ganz anders entwickelt hat als heute angenommen wird, können mittelfristig weitere Massnahmen wie etwa eine zentrumsnahe Stadtentlastung geplant werden», sagte Andreas Elliker weiter. Ziel ist es, bis dahin die Vorgaben des Bundes so gut erfüllt zu haben, dass mit einem weiteren Agglomera­tionsprogramm neue Bundesgelder beantragt werden können. Anders ausgedrückt heisst das: Eine Verkehrsentlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr via Tunnel gibt es in den nächsten Jahren nicht.

Andreas Anderegg




Zwei Agglomerationsprogramme eingereicht
Die Agglomeration Frauenfeld – Frauenfeld, Felben-Wellhausen und Gachnang – hat in der Vergangenheit zwei Agglomerationsprogram­me eingereicht (2007 und 2011), die vom Bund gutgeheissen wurden. Diese beinhalten Massnahmen zur Verkehrsoptimierung in der Innenstadt von Frauenfeld. Allerdings sind die meisten Massnahmen noch nicht so weit fortgeschritten und umgesetzt, wie dies der Bund fordert, weshalb die Agglomeration bisher erst wenig Bundesgelder beziehen konnte. Dies soll sich jetzt ändern. Mittels eines umfassenden Massnahmenplanes, der die Erarbeitung eines Gesamtbildes beinhaltet, sowie einer klar definierten Strategie zur Verkehrsentwicklung der Agglomeration Frauenfeld will man die Bundesvorgaben erfüllen und sich so die entsprechenden Bundesbeiträge sichern. (aa)

 

 

Gesamtbild für die Agglomeration Frauenfeld im Visier