Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 20.11.2019

Himmeltunnertoria

Heiterefahne, was ist nur aus dem Fluchen geworden! Rund 3500 Schweizer Schimpfwörter soll es geben, schätzen Fluchforscher (ja, das ist ein Beruf). Und trotzdem greifen wir meistens auf dieselben paar Ausdrücke zurück – etwa «Gopfertami» oder «Shit», je nach Alter des Fluchenden.

 

 

Dabei fluchte man früher in den schönsten Worten: «Stärnefoifi», «Plagöri», «Scheesä», «Glünggi», «Chrüzgamäläsiech», «Herrgottsakrament», «zum Teufel»... Bis ins 18. Jahrhundert galten die meisten Flüche den himmlischen Mächten – dem Donnerwetter, den Sternen oder Jesus, Gott und Teufel. In unserer säkularisierten Gesellschaft beziehen sich auch die Flüche ganz auf uns selbst, meist auf körperliche Vorgänge, die uns peinlich sind oder im Verborgenen stattfinden.
Damals wie heute geht es beim Fluchen darum, Tabus zu brechen. Schimpfen ist ein Ventil, um Erregung abzubauen, das sei für die Gesundheit so wichtig wie Weinen oder Lachen, sagen Psychologen. Fluchen ist also zutiefst menschlich, und jeder Versuch, es zu verbieten, scheiterte bisher gottsjämmerlich.
Dass Fluchen auch ein kreatives Sprachspiel sein kann, zeigt ein Blick in fremde Kulturen. Schön ist zum Beispiel der jüdische Fluch «Dem Köter sollen alle Zähne ausfallen, bis auf einen, damit er Zahnweh haben kann» oder die türkische Verwünschung «Du Sohn einer Gurke». Humorvolle Flüche können mehr zur Entspannung einer Situation beitragen als so manche verbale Keule.
Einen kreativen Umgang mit Flüchen pflegt auch die Künstlerin Madeleine Mollet. Ihr Bild von der «Blöden Kuh» hängt momentan in der Ausstellung «gemeinsam kreativ» des Kunstvereins Frauenfeld – nicht nur etwas für Rindviecher.

Miriam Waldvogel