Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 06.05.2020

Freiwilligenarbeit erster Güte

Nachbarschaftshilfe leistet in der Corona-Krise ausserordentlich wertvolle Dienste

Die Nachbarschaftshilfen in den Quartieren Kurzdorf und Ergaten-Talbach leisten derzeit Grossartiges. Wegen der Corona-Krise bieten sie viele ihrer Dienstleistungen der gesamten Stadtbevölkerung an.

 

 

Der Corona-Virus sorgte bei den Nachbarschaftshilfen für Hochbetrieb. Zwar haben viele der Helferinnen und Helfer selbst das 65. Altersjahr erreicht oder sind älter, die Begeisterung für den Einsatz im Dienst der Mitmenschen freilich ist ungebrochen. Damit verbunden wurde am Sonntag (!) vor dem Lockdown auf Anregung von Urban Kaiser (Leiter Amt für Alter und Gesundheit) rasch und unkompliziert die Ausdehnung des Aktionsradius auf das gesamte Stadtgebiet und dies an allen sieben Tagen durchgehend beschlossen.

Über 1750 Stunden geleistet
Bis anhin wurden damit verbunden bereits über 1750 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Eingesetzt wurde diese Zeit, um für die Nachbarn einzukaufen, Abfallsäcke zum Kehrichtsammelplatz zu bringen, Medikamente zu besorgen oder Botengänge zu machen. Die beiden Vorstandsmitglieder des Trägervereins Dachverband Freiwilligenarbeit DaFa, Hansjörg Rietmann und Heinz Wiederkehr, sowie Erika Düring (Nachbarschaftshilfe Kurzdorf) und Claire Bont (Nachbarschaftshilfe Ergaten-Talbach) zogen im Rathaus eine Bilanz zur Nachbarschaftshilfe und speziell zum Einsatz während der Corona-Krise.

Rietmann: «Grosses Echo»
Hansjörg Rietmann zeigte in kurzen Zügen die noch junge Geschichte der Nachbarschaftshilfen in Frauenfeld auf. Auch wies er auf die spontane Erweiterung der Dienstleistungen auf das ganze Stadtgebiet hin, die souverän gemeistert wurde. Damit verbunden rückte der «normale» Betrieb in den Hintergrund. So wurde ein Aufruf zur Helfersuche gestartet, der «ein grosses Echo auslöste». Aktuell ist es zwar etwas ruhiger an der «Corona-Front», die Sonderreglung wird aber beibehalten – «sie gilt vorderhand unbefristet», sagte Rietmann dazu.

«Funktioniert hervorragend»
Erika Düring von der Vermittlungsstelle Kurzdorf zog eine rundum positive Bilanz. «Es funktioniert hervorragend.» Auch gebe es bei Umfragen immer wieder spannende Aussagen zu hören. Claire Bont von der Vermittlungsstelle Ergaten-Talbach bezeichnete es als zentrale Aufgabe jeweils herauszufinden, welche Helfer sich für welchen Einsatz eignen.
Heinz Wiederkehr seinerseits bezeichnete die Tätigkeit der Vermittlungsstellen als besonders wichtig und lobte sie für deren Einsatz. Er sprach dazu von einem «äusserst anforderungsreichen Job. Denn man muss den Menschen am Telefon sehr gut zuhören können und sie ausreden lassen. Das darf man nicht unterschätzen».

Wiederkehr: «Aufbau in Huben läuft»
Wiederkehr informierte auch zum Aufbau der Nachbarschaftshilfe in Huben, die wegen dem Corona-Virus ins Stocken geraten ist. Wie er mit Blick auf die Helfersuche sagte, haben sich nach einem etwas schleppenden Start mittlerweile doch zehn Personen für Corona-Einsätze gemeldet. Hinter den Kulissen laufen nun die weiteren Vorbereitungsarbeiten und Wiederkehr hofft, «nach den Sommerferien starten zu können.»

Noch kein Ende in Sicht
Obwohl die Nachfrage an Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe im Zusammenhang mit dem Corona-Virus zurückgegangen ist – an Spitzentagen gab es 48 Anrufe pro Tag, aktuell sind es etwa 6 – ist das «Ende der Fahnenstange» keineswegs in Sicht. Denn es wird erwartet, dass weitere Einsätze angefordert werden, weil Angehörige von Bewohnern der Risikogruppe ihre Arbeit jetzt wieder aufnehmen werden und deshalb keine Unterstützung mehr leisten können. Wenn man den Corona-Virus dann irgendwann in den Griff bekommen hat und der Alltag eingekehrt ist, bleibt eines ganz sicher zurück: Der grosse Respekt vor der Nachbarschaftshilfe in Frauenfeld, die in der Corona-Zeit einen unglaublich grossen Einsatz im Dienste der Allgemeinheit geleistet hat – Chapeau!

Andreas Anderegg

www.nachbarschaftshilfe-frauenfeld.ch
Vermittlungsstellen: 052 378 15 00




116 Tandems
Ein wichtiger Faktor bei der Nachbarschaftshilfe ist das Vertrauen. Deshalb werden viele Hilfesuchenden während der gesamten Einsatzzeit von der gleichen Person unterstützt – was eine vertrauensbildende Funktion hat. Aktuell gibt es 116 solcher Tandems – 32 im Kurzdorf und 84 im Quartier Ergaten-Talbach. Mittlerweile gibt es über 75 Helferinnen und Helfer, die sich im Rahmen der Nachbarschaftshilfe an der Front zu Gunsten von älteren Mitmenschen engagieren. (aa)



Gebietsaufteilung
Die Nachbarschaftshilfen sind quartierweise organisiert und agieren unter dem Dachverband für Freiwilligenarbeit (DaFa), der durch die Stadt finanziell unterstützt wird. Der Start erfolgte im Jahr 2016 im Kurzdorf, 2019 folgte Ergaten-Talbach und in diesem Jahr soll die Nachbarschaftshilfe Huben starten. Diese Nachbarschaftshilfen sind gedacht für kleine Hilfeleistungen bei Problemen und Notlagen. Darüber hinaus bieten diese Organisationen eine Freizeitbörse für Freizeitaktivitäten an und fördern den Austausch im Quartier. Zudem haben sie seit Kurzem eine gemeinsame Infrastruktur (Telefonzentrale, Website und Drucksachen). (aa)



Sonderregelung für Corona
Für die ausserordentliche Lage mit dem Corona-Virus, wegen der Personen ab 65 Jahren zum Verbleib in den eigenen vier Wänden aufgerufen sind, haben die Nachbarschaftshilfen ihr Einsatzgebiet ausgeweitet. So bedient die Nachbarschaftshilfe Kurzdorf auch die Quartiere Erzenholz-Horgenbach-Osterhalden und Langdorf. Die Nachbarschaftshilfe Ergaten-Talbach bedient zusätzlich die Vorstadt, Herten-Bannhalde, Huben und Gerlikon. (aa)