Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 18.11.2020

Schichten-Bilder und eine Znünibox

Erste grosse Einzelausstellung von Yvonne Roth

Yvonne Roth stellt noch bis am 29. November in der Stadtgalerie Baliere aus. «Resonanzen» ist die erste öffentliche Ausstellung der Frauenfelderin. Darin präsentiert sie 89 ihrer Werke.

 

 

Wenn man Yvonne Roth über ihre Kunstwerke sprechen hört, wird einem schnell klar: Für die 62-Jährige ist Malen mehr als nur ein kurzweiliges Hobby. Hinter jedem ihrer Bilder steckt eine Geschichte, ein Gedanke, eine Idee. Und schliesslich auch ein Versuch, das zur eigenen Zufriedenheit umzusetzen. Sie malt ihre innere Befindlichkeit oder schiesst ein Foto und versucht, das festgehaltene Bild dann auf der Leinwand abzubilden. Ein anderes Mal verewigt sie das, was sie vor dem Fenster sieht. Beispielsweise einen Wintersturm im Engadin. «Ich will kein genaues Abbild. Oft weiche ich in gewissen Dingen bewusst von einer allfälligen Vorlage ab», erklärt Yvonne Roth.

Tiefes Bedürfnis
Gemalt hat Yvonne Roth schon immer gern. «Ich verspürte schon immer ein tiefes Bedürfnis, mich mit Formen und Farben auszudrücken», sagt sie dazu. Je nach Phase malte sie mal mit Ölkreide, mal mit Aquarellstiften oder sie machte Drucke à la Andy Warhol. Heute hantiert die ehemalige Kindergärtnerin – die im Sommer nach 19 Jahren im Schulhaus Ergaten in den Ruhestand ging – hauptsächlich mit Ölfarben auf Leinwänden.

Spezielles Sommer-Atelier
Ihre Werke der Ausstellung «Resonanzen» entstanden vorwiegend in den Ferienwochen zu Hause, am Bodensee, im Unterengadin oder in der Toskana. Jetzt freut sie sich, dank ihrem Ruhestand mehr Zeit zum Malen zu haben. Am liebsten tut sie das an ihrem Rückzugsort – sie nennt es ihr Sommer-Atelier – in einem Badehäuschen in Kesswil am See. Sie geniesst und braucht die Ruhe, um kreativ malen zu können. Daher ist es nicht unüblich, dass sie ihren Tag bereits um 4 Uhr beginnt und mit einer Tasse Kaffee dem Tag-Werden zuschaut und nach einem Morgenbad im See um 7 Uhr vor der Leinwand sitzt.

Mehr als nur eine Schicht
Auch wenn Yvonne Roth die Ruhe für die Arbeit sehr schätzt, so merkt man ihren Werken auch an, dass sie eine Vorliebe für bestimmtes Wetter hat: «Ich mag es nicht gern brav, sondern male lieber wildes Wetter», sagt sie. Was einigen ihrer Bilder gar nicht gut tut, sei zu langes an der Wand hängen. «Es kann sein, dass die Bilder mich nicht mehr überzeugen und es entsteht darauf eine weitere Schicht. Wobei ein Teil des ersten Bildes immer noch sichtbar bleibt. Es ist vielleicht ein bisschen wie das Leben. Wir haben unsere Vergangenheit, die uns prägt und die mit unserer Gegenwart zu tun hat», sagt sie dazu. Solche Schichten-Bilder habe sie mehrere in ihrer Sammlung, sagt sie und schmunzelt.
Kunst aus der «Znünibox»
Nicht nur Leinwandbilder stellt Yvonne Roth noch bis zum 29. November in der Baliere aus. Auch kleinere Zeichnungen auf Papier, hergestellt mit Aquarellfarbstiften, sind zu finden. «Früher malte ich nur im Kleinformat, bis ich vor fünf Jahren eine halbjährige Auszeit nahm, weil ich lernen wollte, grösser und mit Öl zu malen», sagt Yvonne Roth.
Die Papierzeichnungen entstanden ebenfalls auf Reisen, beispielsweise nach Marokko und Tansania. «Die Grösse war gegeben. Weil wir auf Wanderungen nicht viel Gepäck mit dabei haben konnten, musste alles in eine Znünibox passen», erinnert sich Roth. Aber ihr war es wichtig, auch auf diesen Reisen die Möglichkeit zu haben, kreativ tätig zu sein. «Das Malen gehört schon immer zu mir und es ist meine Art, meine Befindlichkeiten auszudrücken», so Yvonne Roth. Dank dem Ruhestand kann sie ihrer Leidenschaft nun noch intensiver nachgehen. 

Michael Anderegg

Yvonne Roth «Resonanzen»
Stadtgalerie Baliere
Noch bis 29. November,
jeweils Mittwoch, 17 bis 20 Uhr
und Samstag sowie Sonntag,
jeweils 12 bis 16 Uhr

 

 

Schichten-Bilder und eine Znünibox

 

 

Schichten-Bilder und eine Znünibox