Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 10.02.2021

«Weitere gemeinsame Aktionen geplant»

«Weihnachten 2.0» war ein Volltreffer – Pfarrer Vetsch zieht Bilanz

In der von Corona geprägten Zeit haben sieben Kirchen und Organisationen mit «Weihnachten 2.0» vom 24. Dezember bis 2. Januar eingeladen, an acht Stationen mit Abstand Momente der Besinnlichkeit zu geniessen – mit grossem Erfolg. Gemäss dem evangelischen Pfarrer Hansruedi Vetsch gibt’s bereits Ideen für weitere gemeinsame Projekte.

 

 

Stellvertretend für die interkonfessionellen Organisatorinnen und Organisatoren von «Weihnachten 2.0» nimmt Pfarrer Hansruedi Vetsch von der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld Stellung zur Premiere. Mit dieser wurde zweifellos ein bemerkenswertes Kapitel im Bereich der interkonfessionellen Zusammenarbeit aufgeschlagen.

Hansruedi Vetsch, wie ist ihre Bilanz zur Aktion «Weihnachten 2.0»?
An einer digitalen Austauschsitzung mit den Pfarrpersonen, Pastoren und Gemeindeleitern der Kirchen in Frauenfeld wurde im Januar Bilanz gezogen. Die einhellige Meinung war – unabhängig vom grossen Anklang in der Bevölkerung – dass diese Aktion einen unerwartet positiven Effekt hatte. Nämlich, dass sich die Kirchen aus Frauenfeld bei dieser Aktion näher gekommen sind und Berührungsängste überwunden haben. In dieser Aktion wurde den beteiligten Kirchen spürbar, dass sie alle die gleiche Intension haben – nämlich die frohe Botschaft von Jesus Christus zu leben und zu verkünden. Die unterschiedliche Auslegung und Prägung der einzelnen Kirchen sah man nicht als trennend, sondern als ergänzend an.

Wie viele Menschen konnten mit dieser Aktion erreicht werden?
Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Menschen «Weihnachten 2.0» genutzt haben. Nach den Rückmeldungen gehen wir von einigen Hundert Personen aus. Viele waren als Familie unterwegs. Den Kindern und Jugendlichen haben die frechen Videos der CEVI Jungschar gefallen, den Erwachsenen ging bei manch einer Erklärung zu den weihnächtlichen Symbolen ein Licht auf. Andere wiederum haben es schlicht genossen, mit Freunden zu spazieren und der tristen Zeit zu entfliehen. Viele haben es auch geschätzt, dass einige Kirchen diskret und mit gebührendem Abstand vor Ort waren und kleine Geschenke verteilt haben.

Haben Sie Rückmeldungen gehabt – und wenn ja, welcher Art? Was war besonders positiv – was besonders negativ?
Das Erstaunliche an dieser Aktion war, dass sie so kurzfristig zu Stande kam. Andere Aktionen in früheren Jahren brauchten einen mehrmonatigen Vorlauf, bis überhaupt Termine für alle Leitenden der Kirchen gefunden werden konnten. Danach mussten Konzepte mehrmals diskutiert und oft wieder angepasst werden. Bei «Weihnachten 2.0» entstand die ganze Aktion innert drei Wochen. Alle haben sich frei gemacht und sich engagiert. Jede Kirche hat geschaut, was ihre Stärken sind und haben diese dann eingebracht. So kam enorm viel Know-How innert kürzester Zeit zusammen.
Gerne wären die Kirchen auch noch persönlich vor Ort gewesen. Das ist dann aber sehr kurzfristig den Schutzmassnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Beispielsweise in der Katholischen Stadtkirche hätte man einen Wunsch oder ein Gebet aufschreiben können, dass dann an der Wand der Stadtkirche zu sehen gewesen wäre. Und die Morija Gemeinde hatte einen professionellen Sänger engagiert, der beim Scharfen Eck fröhliche Weihnachtslieder gesungen hätte. Aber auch für fremdsprachige Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund waren Aktionen vorgesehen. Und im Suure Winkel wäre eine Lichtshow geplant gewesen. Das fiel leider alles ins Wasser.

Sind weitere, ähnliche Aktionen geplant?
Während der Auswertung ist der Wunsch entstanden, wieder einmal als Kirchen von Frauenfeld etwas gemeinsam für die Stadt Frauenfeld zu organisieren. Die einen dachten an eine gemeinsame Aktion an Ostern oder Pfingsten. Andere haben auch einen gemeinsamen Gottesdienst zum Ende der Pandemie in der Altstadt erwogen. Fest steht, dass diese Aktion sicherlich nicht die letzte der Kirchen von Frauenfeld war. Mittlerweile gibt es einen gemeinsamen Chat, in dem sich die Kirchen von Frauenfeld auch kurzfristig über die aktuellen Vorschriften der Pandemie austauschen und ihre Erfahrungen mit der Umsetzung austauschen.


Interview: Andreas Anderegg