Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 21.04.2021

Der Blick richtet sich bereits nach Paris

Patrik Wägeli wäre heuer gerne an den Olympischen Sommerspielen in Tokio im Marathon gestartet. Da er die Limite knapp nicht erreichte, hat er sich schon neue und wieder hohe Ziele gesetzt.

 

 

Die Corona-Pandemie machte das Unterfangen Olympia von Patrik Wägeli zu einer kniffligen Angelegenheit. Weil es kaum Läufe gab, musste der Nussbaumer ungewohnte Wege gehen. Sein gesamtes Winter-Training war darauf ausgerichtet, am 14. Februar in Sevilla einen Versuch zu starten, die strenge Limite von 2:11:30 wenn möglich zu knacken: «Zu jenem Zeitpunkt war ich absolut in Topform. Eine solche kann man leider nicht über Wochen kompensieren. Daher traf mich die Absage des Rennens in Spanien schon recht hart. Ich denke noch heute, dass ich damals die geforderte Zeit wahrscheinlich hätte laufen können».

Improvisieren angesagt
Nach wochenlanger Vorbereitung wollte er daher die Gelegenheit auf den extra von Swiss Athletic organisierten Marathon in Belp am 14. März wahrnehmen. Dann verschob das OK den Anlass, weil extrem schlechtes Wetter angesagt war. Wieder musste der 30-Jährige umdisponieren: «Mir war klar, dass ich nur eine Chance hatte, die Richtzeit zu schaffen. Mit meinem Trainer Dan Uebersax musste ich mich schnell entscheiden. Also suchten wir nach einem Ersatz und fanden diesen in Dresden. In der Hoffnung auf besseres Wetter und natürlich auf eine schnelle Zeit». Die Bedingungen in Deutschland waren nicht ideal, dazu kam Wind, und seine Gruppe musste Wägeli beim 30. Kilometer ziehen lassen. Trotzdem schaffte er mit 2:13:13 eine um über zwei Minuten tiefere neue Bestzeit. Aber keine Olympia-Qualifikation. Blickt Patrik Wägeli auf die getroffenen Massnahmen zurück, kann er nur spekulieren: «In Belp sind die Cracks etwas langsamer angelaufen, als bei mir in Dresden. Das wäre mir entgegen gekommen, aber wer weiss, wie es sonst gelaufen wäre». Logisch, dass sich der Meisterlandwirt neue Ziele setzen muss. Die sind nicht einfach, denn es bleiben einige Fragen offen. Zum Beispiel: «Bin ich auch weiterhin der drittbeste Schweizer im Marathon? Stossen Junge nach? Wechselt etwa Julien Wanders definitiv von der Bahn ganz auf die Strasse?» Die klare Nummer eins ist der eingebürgerte Tadesse Abraham, der mit 2:06:40 auch den Schweizer Rekord hält. Dahinter folgt Adrian Lehmann, der am 3. April in Belp 2:12:34 lief. Dann kommt Wägeli mit 2:13:13. Für den Thurgauer ist es enorm wichtig, diese Klassierung nicht zu verlieren. Die Schweiz hat nämlich nur drei Olympia-Startplätze zur Verfügung. Egal, wie viele Eidgenossen die Limite schaffen.

Marathon im Herbst
Nach Dresden hat sich das Mitglied des LC Frauenfeld zwei Wochen Pause gegönnt, um zu schauen, wie sein Körper die Strapazen verdaut. Danach begann er das Training wieder leicht zu steigern. Er wird wohl bald wieder auf seinen 15 bis 25 Stunden pro Woche sein. Mit der Absicht, spätestens im Herbst den nächsten Marathon anzupeilen. Sein Hauptfokus ist allerdings ganz klar definiert: «Jetzt schaue ich bereits Richtung Paris, obwohl Olympia erst 2024 wieder ansteht». Dannzumal finden vom 26. Juli bis zum 11 August die Sommerspiele statt. Da möchte Patrik Wägeli unbedingt an der Startlinie stehen.
Ruedi Stettler