Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 02.06.2021

«Wir haben vieles aufgegleist und viel erreicht»

Nach vier Jahren im Amt tritt Hüttlingens Gemeindepräsident Florian Ibig zurück

Diese Woche galt es für Florian Ibig Abschied zu nehmen. Nach vier Jahren als Gemeindepräsident, zuvor war er bereits genauso lange Gemeinderat, trat er zur Mitte der Legislatur zurück. Zufrieden blickt er zurück.

 

 

«Wir hatten Höhen und Tiefen. Aber ich glaube, wir haben vieles aufgegleist und viel erreicht», bilanziert Florian Ibig, der bis und mit letztem Montag Gemeindepräsident von Hüttlingen war. Der 45-jährige Unternehmensberater trat zurück, weil er sich in Zukunft auf sein Treuhandbüro und seine Familie konzentrieren will. «Durch Corona wurde meine Arbeit nicht einfacher und mein Treuhandbüro wuchs natürlich auch weiter», sagt er. Ausserdem wolle er seinen drei Kindern im Primarschulalter gerecht werden.

Pensum reduziert
Angefangen hatte Florian Ibig vor vier Jahren mit einem 50-Prozent-Pensum. «Schnell aber arbeitest du da 60 oder 70 Prozent», erinnert er sich. Rasch wurde klar, dass das mit Familie und eigenem Geschäft zeitlich nicht aufgeht. Darum stellte man die Gemeindeverwaltung auf ein Geschäftsführer-Modell um. Damit konnte das Pensum des Gemeindepräsidenten auf 30 Prozent gesenkt und ihm viel operative Verantwortung abgenommen werden. «Dieses System hat sich nachhaltig bewährt. Auch mit Blick auf die Belastung für die Gemeinderäte», sagt Florian Ibig.

Bedacht investiert
Florian Ibig prägte den Satz: «Wir haben die Schulden aus dem Boden in die Bücher geholt». Denn die Gemeinde habe dringend notwendige Sanierungen in Angriff genommen und realisiert. Beispielsweise die Entwässerung Bahnhofstrasse inklusive Grundwasser- und Hochwasserschutz. Als einen seiner Höhepunkte nennt Florian Ibig die Sanierung der Mehrzweckhalle samt dem neu erstellten Erweiterungsbau. Nach den vielen Investitionen steht für die Gemeinde Hüttlingen in den nächsten Jahren nun der Abbau der Schulden im Zentrum. Dafür hat die Gemeinde mit dem Finanzplan und dem erhöhten Steuerfuss um sechs Prozent aber längst die Weichen gesetzt. «Wir sind auf einem guten Weg», sagt Florian Ibig dazu.

Gemeinde wird wachsen
«Auch die Ortsplanung konnten wir, auch wenn es etwas länger gedauert hat, abschliessen», so Florian Ibig. Damit sei der Weg nun frei, dass die Gemeinde in den nächsten Jahren wachsen könne. «Es gibt bereits einige konkrete Bauprojekte, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden und Platz für 150 bis 200 Raumnutzer bieten». Auf dem Gemeindegebiet gibt es mehrere Parzellen, die in den nächsten Jahren überbaut werden. «Ich denke, vor allem Mietwohnungen können interessant sein, weil es aktuell kaum solche gibt», so Florian Ibig. Der abgetretene Gemeindepräsident rechnet damit, dass die Gemeinde Hüttlingen die 1000 Einwohnergrenze (aktuell 840) in den nächsten sechs bis acht Jahren knacken wird. Das wiederum sei gut für die Schule und die Verjüngung des Dorfes, ist er sich sicher.

Wermutstropfen
Stolz ist Florian Ibig auch auf einen seiner ersten Erfolge: Dass die SBB-Haltestelle Hüttlingen-Mettendorf bestehen bleibt. «Wir mussten intervenieren und es war am Ende viel Unterstützung von Nachbargemeinden und aus der Politik nötig. Aber wir haben es geschafft», erinnert sich Florian Ibig. Als Wermutstropfen sieht er das Verschwinden des Bancomats aus der Gemeinde. «Wir haben alles versucht, auch mit anderen Banken eine mögliche Lösung zu finden. Aber es scheint hier in unserem Dorf schlicht nicht rentabel genug zu sein, einen Bancomat zu betreiben».

Michael Anderegg


Ein offizieller Kandidat für die Nachfolge
Aktuell werden die Geschäfte der Politischen Gemeinde Hüttlingen übergangsmässig von Brigitte Häscher geleitet. Dies, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gewählt ist. Als einziger offiziell zur Wahl stellt sich der 67-jährige Peter Maag aus Mettendorf. Er war unter anderem jahrelang Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau. Gewählt wird am 13. Juni.
(mra)