Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 06.08.2025

Viele Arten meiden beleuchtete Bereiche

Lichterlöschen: So erleichtert man Fledermäusen das Leben

Künstliches Licht kann die Navigation der Fledermäuse beeinträchtigen, vor allem wenn es Wanderkorridore oder Quartierzugänge beleuchtet. Alles was es braucht, ist weniger Licht. Ein Konzept umgesetzt hat der Kanton Thurgau, wie das Beispiel beim Massnahmenzentrum Kalchrain in Hüttwilen zeigt.

 

 

In der Nacht weisen den Menschen Lampen den Weg. Was für die Menschen eine Erleichterung ist, stellt für Fledermäuse und andere nachtaktive Tiere ein Problem dar. Die Fledermäuse sind in der Dunkelheit unterwegs. Was man tun kann, um Fledermäuse zu schützen, ist die Beleuchtung reduzieren oder vermeiden, besonders in der Nähe von Quartieren, Jagdgebieten oder Flugwegen.
Die Lichtverschmutzung schränkt ihren Lebensraum ein und das hat einen Einfluss auf ihr Verhalten. «Die Lichtverschmutzung macht Fledermäusen und anderen nachtaktiven Tieren das Leben schwer», sagte Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft des Amtes für Raumentwicklung im Rahmen eines Medienanlasses. Um 21.30 Uhr ist es bereits am Eindunkeln. Erstaunlich ist, dass in der Region die Nächte nur noch äusserst selten schwarz sind. Das veranschaulichte Künzler auf einer Karte. Er sagte: «Bereits Mitte der 1990er-Jahre gab es im Schweizer Mittelland keinen einzigen Quadratkilometer völliger Dunkelheit mehr.»


Futter im Obstgarten nebenan
Was man gegen den eingeschränkten Lebensraum von Fledermäusen tun kann, zeigt das Beispiel auf dem Areal des Massnahmenzentrums Kalchrain in Hüttwilen. Den Parkplatz beleuchtet eine Kugelleuchte. In der Remise gegenüber leben verschiedene Fledermausarten, beispielsweise solche der Gattung Langohrfledermäuse. Diese haben auffällig grosse Ohren. Die Braunen Langohren (Plecotus auritus) ziehen in den Balkenzwischenräumen der Remise ihre Jungen auf. Der nächste Jagdlebensraum für die rund 44 Fledermäuse ist der angrenzende Obstgarten.
«Um diesen zu erreichen, müssen sie genau diesen Platz überqueren, der mit Kugelleuchten beleuchtet wird», sagte Andrea Brandes, Projektleiterin der Abteilung Natur und Landschaft. Einzelne Fledermäuse sind als kleine Schatten am Nachthimmel sichtbar. Brandes zog auch einen Fledermaustetektor hervor. Ab und zu sind Geräusche zu vernehmen, ein lautes oder leises Knacken.


Problematik an Kugelleuchten
Kugelleuchten seien wegen der Lichtverschmutzung besonders problematisch, denn sie leuchten unspezifisch. Das heisst, dass sie das Licht rundherum und somit auch nach oben verteilen. «So werden die Fledermäuse während des Jagens angeleuchtet und dadurch gestört», sagte Brandes. Konkret hat das zur Folge, dass 
die Tiere erst später aus ihren Verstecken kommen können, einen 
Umweg machen müssen oder einzelne Gebiete gar nicht mehr nutzen.
«Dadurch haben sie einerseits weniger Möglichkeiten, nach Nahrung zu 
suchen, andererseits brauchen sie aber mehr Energie für die Umwege oder um die längeren Wartezeiten zu überbrücken», erklärte Brandes weiter. Im Falle der Kugelleuchten auf dem Areal des Massnahmenzentrums 
Kalchrain konnte eine einfache Massnahme Abhilfe schaffen. Gemäss Brandes wurden zwei Leuchten innerhalb des direkten Flugwegs der Fledermäuse oben mit einer lichtdichten Farbe abgedunkelt. «Dadurch kann den Fledermäusen der Weg zu ihrer Futterquelle kurzfristig erleichtert werden.»
Langfristig sei geplant, die gesamte Aussenbeleuchtung im Jahr 2027 mit emissionsärmeren Leuchtentypen zu ersetzen. Künzler sagte: «Mit der kleinen Anpassung in Kalchrain schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe.» Einerseits will man die Situation für die Fledermäuse vor Ort verbessern, anderseits könne der Kanton mit gutem Beispiel vorangehen.


 Manuela Olgiati