Frauenfeld · 08.10.2025
Ein Prosit der Gemütlichkeit
Oktoberfest Frauenfeld
Am Freitag und Samstag stand das erste Wochenende der Frauenfelder Wiesn auf dem Programm. Das Oktoberfest auf der Grossen Allmend lockte einmal mehr viel Volk an – und dieses wusste, wie man so richtig feiert.

Frauenfeld im Oktober, die Stadt riecht nach Herbst. Auf der Grossen Allmend riecht es nach Bier, Haxen und Hendl. Im rustikalen Festzelt liegt ein Hauch von Partylaune. Je weiter der Abend, je intensiver wird die Feier. Der Boden unter den Füssen vibriert vom Takt der Musik. Das Bodensee Quintett heizt ein. Gäste brüllen «Ein Prosit». Ein Meer aus Dirndl, karierten Hemden, erhobenen Humpen. Jeder scheint hier jeden zu kennen.
Der Abend liegt vor den Partygästen, wie ein unbeschriebenes Lied. Niemand ist allein. Das Oktoberfest ist ein Ort, an dem man für ein paar Stunden Teil von etwas ist. Laut, wild und lebendig. «O’zapft is», am Freitagabend im Festzelt.
Fussballer am Zapfhahn
Der Fassanstich symbolisiert den offiziellen Beginn des Festes – und den Startschuss für stimmungsvolle Abende voller Musik, Tanz und Geselligkeit. Das alles ist definitiv gelungen. Der Anstich wird traditionell von einer Frauenfelder Persönlichkeit durchgeführt. Diesmal stehen die Donatoren des FC Frauenfeld im Zentrum dieses Spektakels. Festwirt Urs Schnyder interviewt zuerst Daniel Kern. Ziel sei nach dem Abstieg des FC Frauenfeld vergangene Saison, wieder ganz vorne Fussball zu spielen. Der Festwirt ergänzt: «Fussballer sind bekannt für ihre Treffsicherheit.» Damit spielt er klar auf die Torschützenkönige auf dem Fussballplatz an, gemeint zu diesem Anlass war jedoch auch der Umgang mit dem Hopfensaft. Und ein perfektes Stichwort für den FCF-Vizepräsidenten der Donatoren, Roman Hasenfratz, der den Fassanstich locker in wenigen Schlägen schafft. Die Besucher jubeln Hasenfratz zu. Donatoren und Festwirt stossen an. Dafür gibt’s extra Applaus.
Noch immer stehen vor dem Zelt die Menschen – wer keinen Tisch reserviert hat, muss hoffen oder warten. Das scheint die Stimmung kaum zu trüben. Überall wird gelacht, geschunkelt, Selfies gemacht. «Es ist verrückt, laut und irgendwie wunderschön», sagt eine Besucherin zu ihrer Freundin, die zum ersten Mal auf der Wiesn mitfeiert. Die meisten sind allerdings erprobte Festbesucher.
Bis zum letzten Prosit
Oktoberfest ist mehr als eine Feier. Es ist Tradition, Identität, ein Spektakel, das nun in der 13. Ausgabe an zwei Wochenenden die Hauptstadt Frauenfeld zum Ausnahmezustand macht. Ein Ort, an dem die Zeit stehenzubleiben scheint – zumindest bis zum letzten Prosit.
Der Kellner stemmt mehrere Humpen durch die Tischreihen. Platz machen, weitergehen, lächeln. Jeder weiss: Ohne Bier geht hier nichts. Ausgelassen ist die Stimmung. Die Gäste sind in bester Gesellschaft. Ein Ort der Gegensätze, Heimatgefühl, zwischen Glanz und Fremdsein.
Und irgendwann, vor Mitternacht, wenn der letzte Ton verklingt, das letzte Bier verschüttet und der letzte Besucher den Heimweg antritt, bleibt etwas zurück. Etwas Zwischenmenschliches, Unerklärbares.
Auf der Bühne hat die Musik gespielt - ein Stimmungskracher folgt auf den nächsten. Die Musiker lachen – ehrlich und herzhaft. Das Lied «Griechischer Wein» erklingt und die Gäste stehen auf Bänken und Tischen, singen und klatschen in die Hände. Tanzen auf Tischen und Bänken ist erlaubt – die Stimmung am Oktoberfest ist gut. Das Festzelt war an beiden Abenden ausverkauft. Das Bier floss in Strömen, die Gäste waren mit Tanzen, Schunkeln oder der Polonaise ständig in Bewegung.
Nochmals Freitag und Samstag
Am kommenden Wochenende vom 10. und 11. Oktober 2025 verwandelt sich die Grosse Allmend in Frauenfeld nochmals in ein Festgelände ganz im Zeichen bayerischer Gemütlichkeit. Für Unterhaltung sorgt die Riedberg Party Band. Wiederum tolles Extra: Der Oktoberfest Shuttle zum Festgelände, von 16.30 bis 19.30 Uhr und von 22.30 bis 24 Uhr.
Text: Manuela Olgiati/Emma Ramsauer, Bild: Manuela Olgiati