Frauenfeld · 15.10.2025
Wie aus Restholz Strom wird
SVP Frauenfeld besichtigt die Bioenergie
Kürzlich besichtigten die Mitglieder der Frauenfelder SVP die Bioenergie Frauenfeld und bekamen spannende Einblicke in die Holzgasgewinnung und Herstellung von Pflanzenkohle.

Das Interesse an der Bioenergie Frauenfeld war recht gross und so hatten sich einige SVP-Mitglieder eingefunden. Betriebsleiter Nik Raschle stand Rede und Antwort und führte durch den Betrieb der Bioenergie Frauenfeld, die 2022 eröffnete. «Wir sind weltweit die grösste Anlage für Bioenergie», sagte er. Der Standort in nächster Nähe zur Schweizer Zucker AG kommt nicht von ungefähr: Das Unternehmen gründete mit Energie 360 Grad, einer Zürcher Firma, die Bionergie Frauenfeld. «Wir liefern Energie für die Zuckri», erklärte Nik Raschle. Nicht für die aktuelle Kampagne, sondern beispielsweise für deren Raumheizung. Ausserdem liefern sie Energie an Thurplus für den Wärmeverbund. Das Hauptprodukt der Frauenfelder Bioenergie ist Strom und als Nebenprodukt Wärme und Pflanzenkohle.
50 Prozent Schweizer Holz
Die Besichtigung begann bei der Anlieferung der Hackschnitzel. «Hier kommen 35 bis 45 Sattelzüge in der Woche an», erklärte Nik Raschle. Diese werden auf ein Förderband abgeladen. Nik Raschle betonte, dass Luft abgezogen werde, um Staubemissionen zu verhindern. Weiter ging es über eine Stahltreppe nach oben. Hier hatten die Besucherinnen und Besucher einen Ausblick auf die verschiedenen Lager, in die die Hackschnitzel über Förderbänder transportiert werden, hier werden sie getrocknet, dies geschieht über Lufttrocknung. «Wie viel Schweizer Holz wird verwendet?», wollte ein Teilnehmer wissen. Und erfuhr, dass 50 Prozent Schweizer Holz verwendet werde, die restlichen 50 Prozent bezieht das Unternehmen aus dem Ausland. Das liege am Preis, nicht etwa daran, dass es in der Schweiz zu wenig Lieferanten gebe. «Wir sind angewiesen auf günstiges Holz», sagte Nik Raschle. Wobei die 50 Prozent des Holzes aus dem Ausland aus einem Radius von 50 bis 60 Kilometern Entfernung stammten.
Anlage immer in Betrieb
Anschliessend ging es zur Anlage über. «Diese läuft das ganze Jahr», so Raschle. Die Mitarbeiter arbeiten zu Werkzeiten, es gibt einen Pikettdienst. Zehn Leute arbeiten in dem Betrieb, die Anlage läuft über Steuerung. Zwischen den Filtern und Maschinen erklärte Nik Raschle, wie aus Holz Gas gewonnen wird. Hierbei kommt das Verfahren der Pyrolyse zur Anwendung, die thermische Zersetzung eines Stoffes, in diesem Fall Holz. Dieses wird in zwei Stufen erhitzt.
In der ersten Stufe wird es zur Pflanzenkohle verarbeitet. Das Gas und die Kohlen gehen durch einen Filter. «Das muss man sich vorstellen wie ein Kaffeefilter, die Kohle bleibt hängen.» Um Holzgas zu gewinnen, wird die Kohle erneut erhitzt und so wird Holzgas gewonnen, welches an Motoren weitergeleitet und in erneuerbaren Strom umgewandelt wird. Dieser reicht aus, um den jährlichen Bedarf von rund 8 000 Haushalten zu decken. Während der Umwandlung von Gas zu Ökostrom entsteht zusätzlich Abwärme, die dem Fernwärmeleitungsnetz zugeführt wird.
Ein Nebenprodukt ist die Pflanzenkohle, diese kann für thermische Zwecke verwendet werden. Nik Raschle führte die Gruppe zu der Abfüllung der Kohle, die in riesigen Säcken gelagert wird. Sie wird unterschiedlich eingesetzt: etwa als Grillkohle oder für Futtermittel. Auch in der Betonindustrie bestehe eine Nachfrage an Pflanzenkohle, Beton werde oft mit Kohle vermischt, so Nik Raschle.
Das Hauptprodukt der Bioenergie Frauenfeld sei allerdings der Strom, so der Betriebsleiter. Die Teilnehmer stellten noch einige Fragen zur Biozertifizierung und zur Kohle als Futtermittel, bevor es zum gemütlichen Apéro überging.
Text und Bild: Emma Ramsauer / Elke Reinauer