Frauenfeld · 12.11.2025
Von künstlicher Intelligenz zu künstlichem Essen
TecNight an der Kanti Frauenfeld zog zahlreiche Besucher an
Die Kantonsschule platzte am Donnerstagabend aus allen Nähten: Schüler, Eltern, Interessierte füllten die Aula, den Eingangsbereich und das Treppenhaus, während die Kanti-Band spielte und einige Meter entfernt ein Roboter auf der Suche nach einem Handschlag war. Ferngesteuert fand der Roboter schliesslich eine Frau, die ihm die Hand entgegenstreckte, während zwei sich kichernd in eine Ecke verzogen. Ihnen war der ferngesteuerte Roboter nicht ganz geheuer. Dieser war nicht der einzige seiner Art auf der «TecNight», die von der Kantonsschule Frauenfeld und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) veranstaltet wurde.

Der TecNight war ein TecDay vorausgegangen. An diesem nahmen rund 800 Schülerinnen und Schüler der Kanti im Rahmen der schulinternen TecDays teil. In verschiedenen Workshops und Modulen erkundeten sie naturwissenschaftliche Themen. Ab 18 Uhr öffnete die Kanti dann ihre Türen für Besucher und Gäste. Rund 50 Fachleute aus Industrie und Forschung waren präsent. Von 10 Uhr bis 21.45 Uhr wurden 37 Referate zu Themen von Astrochemie über KI bis Kryptowährung und drei Science Talks in fünf Zeitfenstern geboten. In den drei Science Talks diskutierten Schüler der Kanti mit Fachleuten. So ging es im ersten Science Talk in der Aula um das Thema «KI macht Schlagzeilen – Arbeitet das SRF schon am Service Public der Zukunft?» Hier stand Corinne Ruckstuhl, Product Managerin Technologie und Daten, SRF, den Schülern Rede und Antwort. Sie berichtete, wie KI beim Schweizer Fernsehen eingesetzt werde, etwa um Videos für das Archiv zu transkribieren oder Zitate aus Interviews herauszufiltern. «Wir setzen KI ein, um Journalisten zu unterstützen», sagte sie. Wichtig sei: «Wir tragen die publizistische Verantwortung dabei.» Es sei nicht das Ziel, das Publikum mit KI zu täuschen. Ein spannendes Feld findet sie das Thema KI-Avatare. Hier laufe ein Projekt, bei dem man schaue, ob diese Avatare für die Wettersendung eingesetzt werden könnten.
Selbstfahrende Autos
In einem weiteren Vortrag drehte sich alles um autonomes Fahren. Referent Jamie Townsend von «Movinno» (ein Unternehmen, das in den Bereichen Technologie und Mobilität berät und sich unter anderem mit autonomem Fahren beschäftigt) zeichnete ein Zukunftsszenario, in dem Fahrzeuge von selbst fahren. Es brauche in der neuen Verkehrswelt keine Ampeln mehr, Autos könnten auf Knopfdruck durch die Gegend düsen. «Wie findet ihr das?», wollte er von den Schülern wissen. Diese sammelten Vor- und Nachteile, einige fanden das Szenario beängstigend, andere wiederum «viel sicherer». Er stellte fünf Stufen vor: von null autonomem Fahren über Fahren mit Tempomat bis hin zu voll autonomem Fahren. Stufe drei, in der Fahrzeuge bereits zahlreiche Aufgaben wie Spurhalten übernehmen, existiere bereits. Jamie Townsend sagte, er glaube nicht, dass vollautonomes Fahren einmal Realität werde. Über einen QR-Code konnten die Zuhörer Fragen beantworten und sich abschliessend an einem Quiz beteiligen.
Künstliches Essen
Wie Technologie eingesetzt wird, um Lebensmittel industriell herzustellen, darum ging es im Vortrag «Ultra Processed Food – vom Segen zum Fluch?». Mario Arcari von der BFH (Berner Fachhochschule) zeigte die Prozesse, die eingesetzt werden, um zum Beispiel veganen Fleischersatz herzustellen. Er zeigte die Herstellung von Sojaproteinisolat, aus diesem werden durch künstliche Prozesse zum Beispiel Fleischersatzprodukte hergestellt. Ausserdem erklärte er den Unterschied von natürlich produzierten Lebensmitteln und industriell hergestellten Lebensmitteln. Um künstlich hergestellte Lebensmittel zu klassifizieren, gebe es die NOVA-Pyramide, ein Modell aus Brasilien, das Lebensmittel in unverarbeitet, verarbeitet und ultraverarbeitet einteilt. NOVA werde in der Forschung verwendet, um den Zusammenhang zwischen verarbeiteten Lebensmitteln und der Gesundheit zu erforschen. Ein Thema, das Verbraucher sicher noch einige Zeit beschäftigen wird.
Der TecDay und die TecNight sollen Jugendliche für die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) interessieren und begeistern. Ausserdem bestehe in diesen Bereichen ein Fachkräftemangel, dem es entgegenzuwirken gilt. Mit einem spielerischen Zugang zu den MINT-Themen wolle man Vorurteile und Berührungsängste abbauen, heisst es von den Veranstaltern. Den TecDay und die TecNight gibt es seit 2007 in der Deutschschweiz. In der Frauenfelder Kanti stiess dieser, dem Besucherandrang zu urteilen, auf grosse Begeisterung. Jeder Raum war voller interessierter Schüler, die den Referenten lauschten.
Text und Bild: Elke Reinauer