Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 12.11.2025

«Ich bin sehr verbunden mit dem Konzept»

Jacqueline Kamara ist neue Leiterin der Chinderarche

Spontan die Kinder vorbeibringen, wenn man einkaufen will, oder eine Pause braucht – das geht in der Frauenfelder Chinderarche. Tageslicht flutet durch die grossen Fenster, unzählige Spielsachen verteilen sich auf dem Boden. An diesem Vormittag halten fünf Kinder mit Erzieherin Sabrina Franze gerade ihr Znüni und plappern fröhlich vor sich hin. Das Klingeln der Tür unterbricht ihr Beisammensein kurzzeitig. Ein Mädchen, getragen von seiner Mutter, wird herzlich von Jacqueline Kamara empfangen.

 

 

Seit Oktober leitet Jacqueline Kamara die Chinderarche in Frauenfeld. «Ich bin sehr verbunden mit dem Konzept», sagt sie. Und man spürt, wie wichtig ihr dieser Ort ist. Was die Chinderarche, die seit 28 Jahren besteht, auszeichnet, ist Flexibilität. «Flexibilität und Spontanität machen die Chinderarche aus», erklärt Jacqueline Kamara. Es wird nicht alles strikt durchgeplant. Die Eltern können ihre Kinder ohne Voranmeldung vorbeibringen, und das schätzen die Familien sehr. Es gibt aber auch angemeldete Kinder, die zu fest vereinbarten Zeiten vorbeigebracht werden. Eltern, die auf die Betreuung angewiesen sind, können einen festen Platz reservieren – diese reservierten Plätze haben dann Vorrang. Bis zu 15 Kinder finden hier Platz, liebevoll betreut von Sabrina Franze, Jacqueline Kamara und einer Springerin. Das freie Spielen, Entdecken und Lernen steht im Vordergrund. Daneben gibt es vielfältige Angebote wie Backen, Basteln, Wässerle, mit Sand spielen, Kneten oder auch Schaukeln oder Rutschen ist möglich.


 



Langjährige Erfahrung


Kamara ist seit 2001 mit der Chinderarche verbunden. Damals begann sie hier mit einem Praktikum. Nach ihrer Ausbildung zur Fachfrau Betreuung Kinder sammelte sie in unterschiedlichen Krippen Erfahrungen, doch 2017 zog es sie zurück. «Ich habe viel gelernt und Erfahrungen gesammelt», sagt sie. Doch die Flexibilität und das Herz der Chinderarche fehlten ihr. Deshalb war für sie klar, dass sie die Leitung von Gaby Foulis übernehmen würde, jener Frau, die die Chinderarche vor 28 Jahren gründete und nun im wohlverdienten Ruhestand ist.


 



Standortwechsel Ende Jahr


«Die Chinderarche wird so weitergeführt wie gehabt», betont Kamara. Das Bewährte bleibt. Nur eines ändert sich: Ende Jahr steht ein Umzug an. Nach 28 Jahren am Marktplatz ist es Zeit für neue Räume. Die neue Adresse wird erst bekannt gegeben, wenn alles unter Dach und Fach ist.


 



Der Kampf ums Überleben – und der Sieg des Herzens


Doch vor dem Leitungswechsel stand die Chinderarche am Scheideweg. Würde es überhaupt weitergehen? «Der Gedanke, dass es nicht weitergeht, hat mir das Herz zerrissen», sagt Kamara mit bewegter Stimme. Die Chinderarche finanziert sich ausschliesslich aus den Betreuungseinnahmen. «Die Rechnung muss aufgehen», erklärt sie. Der Verein für d’Chinderarche unterstützt die Einrichtung zwar, doch das Geld ist als Polster für Notfälle gedacht.


 



Rückhalt der Eltern


Dann kam die Rettung, durch die Eltern selbst. «Die Eltern stehen hinter uns und wollten, dass es weitergeht», sagt Kamara, und die Dankbarkeit ist in ihrer Stimme zu hören. Besonders beim Leitungswechsel spürte sie diesen wertvollen Rückhalt. Nach der schwierigen Zeit während und nach der Corona-Pandemie läuft die Chinderarche seit Juni wieder sehr gut.


«Ich hoffe, dass die Chinderarche weitere 28 Jahre existieren kann», sagt Kamara und blickt dabei auf die spielenden Kinder. «Und dass die Familien uns weiterhin vertrauen.» Ihr Blick in die Zukunft ist positiv, getragen von der Liebe zu den Kindern und dem Vertrauen der Eltern.


Was Familien besonders lieben sind die Spontanität, Flexibilität und die Einheitspreise für alle, die die Chinderarche bietet. Eltern haben zudem die Möglichkeit, unterschiedliche Stundenabos zu kaufen, die zu verschiedenen Zeiten eingelöst werden können. Von Babys bis zu Schülern, alle sind herzlich willkommen. Während die Jüngeren spielen und die Welt entdecken, können grössere Schüler bei Bedarf auch für den Mittagstisch vorbeikommen.


 



Tagesablauf in der Chinderarche


Offen hat die Chinderarche ab acht Uhr. Nach Absprache können Kinder allerdings schon früher vorbeigebracht oder später abgeholt werden. Wie die Kids ihre Zeit verbringen möchten, dürfen sie frei entscheiden. Die Betreuerinnen stehen ihnen aber immer zur Verfügung und bieten unterschiedliche Aktivitäten wie Basteln oder Backen an. «Wir richten uns nach der Saison, backen in der Weihnachtszeit zum Beispiel Guetzli oder basteln Geschenke für Mami und Papi.» Gegen zehn Uhr essen die Kleinen ihren selbst mitgebrachten Znüni, um zwölf Uhr gibt es ein von den Betreuerinnen frisch zubereitetes Mittagessen und ab zirka 15.30 Uhr gibt es Zvieri. Um 17.30 Uhr schliesst die Chinderarche wieder.


Weitere Infos gibt es auf der Website: www.chinderarche.ch


Text und Bild: Elke Reinauer