Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 24.12.2025

Marcel Hug bleibt in allen sieben Marathons makellos

Der Pfyner Rollstuhl-Leichtathlet Marcel Hug darf einmal mehr auf eine eindrückliche Saison zurückblicken. Der 39-Jährige brillierte vor allem in den Marathons.

 

 

Marcel Hug ist seit vielen Jahren ein Garant, für absolute Spitzenleistungen auf der Bahn und der Strasse. In dieser Saison hat er bei sämtlichen Marathon-Starts obenaus geschwungen. Und zwar an den traditionellen Veranstaltungen in Boston, London, Sydney, Berlin, Chicago, New York (schon der 7. Triumph) und zum Abschluss im japanischen Oita (bereits der zwölfte Sieg). In 1:17:51 verpasste Hug den Weltrekord (aufgestellt auch in Oita) nur um vier Sekunden. Es war sowieso eine super Leistung in diesem Herbst: Fünf Marathons auf vier Kontinenten und auch noch die WM in Indien zu bestreiten.
Speziell ist wohl sein Triumph erstmals auch in Sydney (Aus). An der Weltmeisterschaft in Indien musste er in New Delhi sogar mit seinem Ersatzmaterial an den Start gehen.
Nachstehend beantwortet der Thurgauer Ausnahmeathlet Marcel Hug unsere Fragen.


Wie fällt Deine Saison-Bilanz aus? Auch was die Weltmeisterschaft in Indien betrifft?
Die Bilanz fällt grundsätzlich sehr positiv aus. Besonders die Siegesserie im Marathon ist super. Vor allem der Herbst war äusserst intensiv mit all den Marathons und der Weltmeisterschaft in so kurzer Zeit. Die WM in Indien war eine besondere Herausforderung. Eine für mich neue Stadt mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen. Aber auch die Tatsache, dass ich mit dem Ersatzmaterial antreten musste, da unser ganzes Gepäck nach dem Berlin Marathon in Deutschland blieb, machte es etwas schwieriger. Über 5000 Meter die Goldmedaille war sehr gut, der 1500-Meter-Final war aufgrund meiner Magendarm-Probleme auch schwierig und entsprechend war der vierte Rang eher enttäuschend.


Du bist siebenmal an grossen Stadt-Marathons gestartet und hast immer triumphiert. Hast Du das vorher auch schon mal geschafft?
Ja, ich meine das habe ich vorher mindestens einmal schon geschafft. Möglicherweise auch mehr. Da müsste ich zu erst genau recherchieren.


Hast Du das Training bewusst auf die Marathons ausgerichtet?
Ja, die Marathons haben wir auch dieses Jahr wieder sehr stark gewichtet. Gleichzeitig haben wir versucht, uns möglichst gut auch für die WM vorzubereiten, die auf der Bahn stattfand. Ein Spagat, der uns ziemlich gut gelungen ist.


War der Sieg in New York nach den Vorkommnissen 2024 (von einem Kontrahenten mit Verletzungsfolgen umgefahren) der wichtigste?
Der wichtigste würde ich so nicht sagen. Es waren alle etwa gleich wichtig. Der Sieg am Sydney Marathon war sicher auch etwas Besonderes, da ich das erste Mal daran teilnahm. 


Wie sieht Dein Trainings-Fahrplan jetzt im Winter aus?
Nach dem Oita Marathon Mitte November haben Trainer Paul Odermatt und ich die Saison analysiert und die konkrete Planung für das nächste Jahr besprochen. Auch hatte ich noch drei Wochen Ferien.


Sind Änderungen oder Anpassungen beim Material nötig?
Änderungen wird es immer geben. Wir versuchen uns ständig weiter zu entwickeln. Eine Änderung wird sicher beim Rückengurt nötig sein - das war in diesem Jahr eine Schwachstelle. Auch geht es darum, ein Projekt - wo wir Handschuhe aus dem 3D-Drucker entwickeln - abzuschliessen.


Gibt es schon Fixpunkte in der Planung für 2026?
Noch ist die Planung nicht abgeschlossen, aber die meisten Daten der Städte-Marathons sind uns bekannt.
Interview: Ruedi Stettler, Bild: sp