Frauenfeld · 24.12.2025
Eine Prise Magie für die Zeit zwischen den Jahren
Mystische Bräuche für die Zeit zwischen den Jahren
Die Rauhnächte sind in aller Munde und werden immer populärer: Zahlreiche Bücher, Kalender und Beiträge auf Social Media zeigen, wie beliebt dieser Brauch ist. Die Rauhnächte gelten als eine Übergangszeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr, jene besonderen Tage, in denen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Zukunft verschwimmen.

Der Begriff leitet sich dabei vom Rauch ab, daraus wurden die Raunächte, weil das Räuchern ein wesentlicher Bestandteil dieser Zeit ist. Ursprünglich dienten die Rauhnächte dazu, die Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr auszugleichen, jene zwölf Tage also, die sozusagen zwischen den Jahren liegen. In dieser Zeit, so glaubte man in germanischen und keltischen Traditionen, stünden die Tore zur Anderswelt offen.
Zwar haben die Rauhnächte bereits begonnen (vom 25. Dezember bis
6. Januar), aber es ist nie zu spät, einzusteigen. Wir haben für Sie ein paar Tipps recherchiert, die man gerne in den Rauhnächten durchführen kann.
Räuchern und Reinigen
Das Ausräuchern der Wohnung gehört zu den bekanntesten Traditionen. Mit Weihrauch, Salbei oder Kräutern wie Wacholder wird durch alle Räume gegangen. Anschliessend wird ordentlich gelüftet und mit dem Rauch alles Alte verabschiedet. Dieses Ritual soll Raum für Neues schaffen. Viele Menschen verbinden dies mit einem gründlichen Aufräumen, um zum Ende des Jahres Ordnung zu schaffen. Was darf gehen, was darf bleiben sind hier zentrale Fragen.
Wünsche und Träume festhalten
Ein beliebter Brauch ist das Führen eines Rauhnächte-Tagebuchs. Jede der zwölf Nächte steht dabei symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres. Man notiert Gedanken, Träume und Wünsche für den entsprechenden Monat. Es heisst, dass in diesen Nächten die Träume besonders intensiv sein sollen. Symbole aus Träumen deuten oder Traumbilder notieren und interpretieren: Diese Aufzeichnungen werden später noch einmal durchgelesen und können als Kompass fürs neue Jahr dienen.
Geschichten erzählen
Die langen Winterabende laden dazu ein, mit Familie oder Freunden zusammenzusitzen und Geschichten zu erzählen: alte Familiengeschichten, Märchen oder Erlebnisse aus dem vergangenen Jahr. Diese Tradition des gemeinsamen Erzählens schafft Verbindung und hält Erinnerungen lebendig. Das gemeinsame Erinnern stärkt ausserdem den Familienzusammenhalt.
Wetterorakel fragen
Bauern nutzten die Rauhnächte (25. Dezember bis 6. Januar) übrigens als Wetterorakel: Jeder Tag stand für einen Monat des kommenden Jahres und wurde genau beobachtet, um Ernteprognosen zu treffen. Auch wenn wir heute nicht mehr auf solche Vorhersagen angewiesen sind, kann es Spass machen, das Wetter in diesen Tagen zu beobachten und zu schauen, ob die alte Bauernregel sich bewahrheitet.
13 Wünsche aufschreiben
Auf einzelne Zettel werden Wünsche aufgeschrieben. Diese sollte man am Anfang der Raunächte tun, es geht aber auch noch mittendrin. In jeder der zwölf Raunächte wird einer dieser Wünsche – ohne ihn vorher durchzulesen – in einer Feuerschale verbrannt und damit losgelassen. Für die Erfüllung des letzten Wunsches, der übrig bleibt, ist man selbst verantwortlich. Das hat auch einen psychologischen Effekt: Man macht sich seine Wünsche bewusst und geht sie als Ziele bewusst an.
Alles nur Quatsch?
Man muss nicht an die Anderswelt oder an magische Kräfte glauben, um die Rauhnächte für sich zu nutzen. Im Kern geht es um etwas ganz Pragmatisches: bewusst innehalten in einer oft hektischen Zeit, das Jahr Revue passieren lassen und sich Gedanken über die kommenden Monate machen. Ob man dabei räuchert oder einfach nur zusammensitzt, das bleibt jedem selbst überlassen.
Die Rauhnächte sind eine besondere Zeit, ob man sie nun bewusst lebt und sich durch Rauhnachtsbücher liest oder spielerisch damit umgeht. Wichtig ist: Spass haben, gemeinsam Zeit verbringen, vielleicht beim Aufschreiben von Wünschen schmunzeln oder sich gegenseitig Geschichten erzählen. Vielleicht ergibt sich daraus ein schönes Ritual in der Familie, das man jedes Jahr wiederholt.
Am Ende sind die Rauhnächte das, was man daraus macht: eine mystische Reise, eine gemütliche Auszeit oder einfach eine Gelegenheit, das Natel beiseitezulegen und miteinander zu reden. Und wer weiss, vielleicht liegt in diesem bewussten Übergang ins neue Jahr ja doch ein bisschen Magie. Text: Elke Reinauer, Bild: karrastock/Envato