Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 08.01.2026

Wie steht es um die Sicherheit am Bahnhof?

Neue Kameras am Frauenfelder Bahnhof

Erst im Dezember hatte ein Mann am Bahnhof randaliert und wollte ein Fahrzeug stehlen. Den Höhepunkt der Einsätze erreichte die Kantonspolizei im Januar letzten Jahres: Sie verzeichnete 30 Einsätze, dazu zählten allerdings auch Personenkontrollen. All dies sorgte dafür, dass das Sicherheitsgefühl um den Bahnhof nicht gerade anstieg. 

 

 

Der Stadtrat investierte deshalb rund 25 000 Franken in eine erweiterte Kameraüberwachung beim Bahnhof. Die Erweiterung wird Anfang dieses Jahres abgeschlossen sein und sieben Kameras werden im Bereich Bahnhof/Bahnhofplatz hängen. Der direkt hinter dem Bahnhof liegende Lindenpark wird mit sechs Kameras überwacht, heisst es auf Nachfrage von der Stadtverwaltung. Bei den anderen Standorten variiert die Anzahl an eingesetzten Kameras zwischen einer und acht, je nach Ort.


Doch wie hat sich die Lage im vergangenen Jahr entwickelt?
Eine verlässliche statistische Übersicht sämtlicher Polizeieinsätze am und rund um den Bahnhof Frauenfeld zu erstellen, sei aus mehreren Gründen problematisch, heisst es von der Kantonspolizei: Es gibt keine genaue Abgrenzung, welche Bereiche zum Bahnhof und dessen unmittelbarer Umgebung gehören und welche nicht. Sämtliche Ereignisse werden erfasst, unabhängig davon, ob daraus eine Anzeige resultiert. Erfasst werden also sowohl Meldungen wie etwa eine Schlägerei, bei der vor Ort keine beteiligten Personen mehr angetroffen werden, als auch eine Anzeige beispielsweise nach einer Körperverletzung. Von der Medienstelle der Kantonspolizei heisst es, die Lage am Bahnhof (und Umgebung) liege derzeit im Jahresvergleich auf normalem Niveau. Wir haben Stadtpräsident Claudio Bernold zum Thema Sicherheit befragt.
Im Juni 2024 hatten Claudio Bernold (damals noch Gemeinderat), Reto Brunschweiler und Robin Goldinger in einer Gemeinderatssitzung eine Anfrage zur Sicherheit am Bahnhof gestellt. Damals war noch Anders Stokholm Stadtpräsident. Damals wurde auch über Privatsphäre und den Sinn von mehr Videoüberwachung in der Stadt diskutiert. Wir wollten von Stadtpräsident Claudio Bernold wissen, wie er die Lage einschätzt und welche Veränderungen die erweiterte Überwachung bewirken kann.


Wie hat sich die Sicherheitslage in Frauenfeld seit Ihrem Amtsantritt entwickelt?
Bernold: Seit ich im Amt bin, habe ich, im Gegensatz zu meiner Zeit im Gemeinderat, einen deutlich vertieften Einblick in das Thema Sicherheit erhalten. Insgesamt kann ich sagen: Die Situation ist stabil. Es gibt einzelne Vorfälle – etwa alkoholisierte Personen oder kleinere Auseinandersetzungen, doch diese bewegen sich überwiegend im internen Rahmen und stellen in der Regel keine Gefährdung für unbeteiligte Dritte dar.
Vergleicht man Frauenfeld mit anderen Städten, befinden wir uns klar im normalen, teilweise sogar im unterdurchschnittlichen Bereich.


Ist der Frauenfelder ein Brennpunkt?
Bernold: Ein Bahnhof ist überall ein neuralgischer Ort, egal ob in Frauenfeld oder in anderen Städten. Dort kommen viele Menschen zusammen, es herrscht Bewegung, es gibt Durchgangsverkehr. Das allein macht ihn aber noch nicht zu einem gravierenden Brennpunkt.
Solange alle beteiligten Akteure am runden Tisch sagen, dass die Situation insgesamt gut ist, bewegen wir uns in einem Rahmen, den wir als stabil beurteilen. Wichtig ist, dass wir dranbleiben und rasch reagieren können, wenn sich etwas verändert.


Trotzdem wird Sicherheit in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen. Woran liegt das?
Bernold: Einzelne Ereignisse bleiben den Menschen verständlicherweise stärker in Erinnerung, insbesondere dann, wenn sich jemand unwohl oder verunsichert fühlt. Solche Wahrnehmungen verbreiten sich heute über digitale und soziale Medien sehr schnell und erhalten dadurch grosse Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist es, die Situation sachlich einzuordnen und laufend im Dialog zu bleiben.


Welche konkreten Möglichkeiten hat die Stadt, die Sicherheit zu beeinflussen?
Bernold: Die Hauptverantwortung für die Polizeipräsenz liegt beim Kanton, konkret bei der Kantonspolizei. Deshalb stehen wir in engem und regelmässigem Austausch mit ihr. Als Stadt können wir ergänzend unterstützen, etwa durch den Einsatz eigener Sicherheitsdienstleister oder durch Videoüberwachung an neuralgischen Orten.
Ein zentraler Punkt ist zudem die Zusammenarbeit: Gerade im Bereich des Bahnhofs setzen wir stark auf Koordination.


Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?
Bernold: Mindestens zweimal jährlich findet ein runder Tisch statt, an dem alle relevanten Akteure vertreten sind: die SBB, deren Sicherheitsdienst Transsicura, die Kantonspolizei, die städtische Sicherheit, grosse lokale Immobilienbesitzer, das Einkaufszentrum Passage, aber auch niederschwellige Angebote wie die Jugendarbeit. Dieser regelmässige Austausch ist enorm wichtig, weil wir so Entwicklungen früh erkennen und gemeinsam Lösungen erarbeiten können, sei es bei Diebstählen, Verschmutzungen oder anderen Problemen im Umfeld des Bahnhofs.


Die Stadt setzt auch eigene Sicherheitsdienste ein. Welche Aufgabe haben diese?
Bernold: Die von der Stadt beauftragten Sicherheitsdienstleister sind im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Ihr Auftrag umfasst insbesondere neuralgische Orte – das kann der Bahnhof sein, aber auch Sportanlagen, der Skaterpark oder andere Treffpunkte. Präsenz allein bewirkt bereits viel: Sie wirkt beruhigend auf die Bevölkerung und reduziert das Gefühl von Anonymität.


Kann man sagen, dass Präsenz tatsächlich wirkt?
Bernold: Ja, eindeutig. Jede Form von Präsenz – sei es durch Polizei, Sicherheitsdienste oder auch die SBB-Sicherheit – trägt zur Beruhigung bei. Gerade für Menschen, die nicht involviert sind, sondern einfach unterwegs sind, ist das Sicherheitsgefühl entscheidend.
Natürlich beobachten wir auch, dass sich gewisse Gruppen bei verstärkter Präsenz an andere Orte verlagern. Deshalb müssen Sicherheitsmassnahmen flexibel bleiben und laufend angepasst werden.


Kameras im öffentlichen Raum sind ein sensibles Thema. Welchen Zweck erfüllen diese aus Ihrer Sicht?
Bernold: Videokameras dienen in erster Linie dazu, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken. Sie sind ein präventives Instrument und wirken abschreckend, weil potenzielle Täter wissen, dass sie nicht vollständig anonym sind. Gleichzeitig können Kameras helfen, Vorfälle aufzuklären, allerdings meist erst, nachdem etwas passiert ist. Wichtig ist mir dabei: Videoüberwachung ist nie eine alleinige Lösung, sondern immer nur ein Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts.


Kritisch diskutiert wird oft der Datenschutz bei Videoüberwachung. Teilen Sie diese Bedenken?
Bernold: Datenschutzbedenken sind grundsätzlich berechtigt, und genau deshalb braucht es einen sehr verantwortungsvollen Umgang. In der Schweiz sind die gesetzlichen Vorgaben im öffentlichen Raum sehr streng. Es ist klar geregelt, wer aufgenommen wird, wer Zugriff auf die Bilder hat, wie lange sie gespeichert werden und wann sie gelöscht werden.
Es ist keineswegs so, dass jemand beliebig auf Aufnahmen zugreifen kann. Die Stadt verfügt über klare Reglemente und hält sich strikt an die datenschutzrechtlichen Bestimmungen.


Manche empfinden Kameras dennoch als Eingriff in die Privatsphäre. Wie stehen Sie dazu?
Bernold: Ich teile diese Sorge in diesem Kontext nicht. Wenn man sich anschaut, wie viele Menschen heute freiwillig auf sozialen Medien teilen, oft ungefiltert und öffentlich, dann ist die Durchlässigkeit dort deutlich höher als bei einer streng regulierten Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Insofern kann man klar sagen: Beim Thema Datenschutz müssen wir hier keine Angst haben. 


Text: Elke Reinauer
Bild: Envato/bialasiewicz