Frauenfeld · 07.01.2026
Zuckerfabrik wieder in Betrieb
Die Luft in Frauenfeld schmeckt wieder süss und die Rübentransporter flitzen durch die Stadt. Ja, es wird seit Montag wieder produziert in der Schweizer Zucker AG, heisst es von Mediensprecher Raphael Wild auf Nachfrage. Es konnte über die Festtage eine Alternativlösung installiert werden, mit der die Kampagne der Zuckerfabrik fortgesetzt werden kann.

Einen Monat stand die Produktion wegen des defekten Kalkofens still. Nun ist eine Zwischenlösung gefunden: Es wird ohne Ofen produziert, und zwar mit extern gebranntem Kalk, der mit Wasser zu Kalkmilch gemischt wird und per Bahn und Lastwagen angeliefert werden muss. Mit der Kalkmilch wird der Zuckersaft grob gereinigt. Zur feinen Reinigung des Zuckersafts wird Kohlendioxid benötigt, auch dieses wird derzeit angeliefert. Für den gebrannten Kalk hatte man Lieferanten aus Belgien und Italien gefunden, für das flüssige Kohlendioxid Lieferanten aus der Schweiz und dem EU-Ausland. Das Kohlendioxid entsteht normalerweise beim Verbrennen des Kalks. Alles musste sehr kurzfristig geschehen und die Suche nach Lieferanten hatte sich als nicht einfach erwiesen, heisst es von Raphael Wild.
Schnelle Lösung
«Wir sind stolz, dass wir so schnell eine Lösung gefunden haben», sagt er. Ein neuer Kalkofen für die nächste Kampagne ist auch schon bestellt. Dieser kostet zwischen acht und neun Millionen Franken. Mit der provisorischen Lösung werden derzeit 160 Tonnen Rüben in der Stunde verarbeitet, maximal 200 Tonnen Rüben sind möglich. Die neue Lösung befand sich am Dienstag noch in der Testphase. Fest steht: Jetzt können Schweizer Bauern ihre Rüben wieder anliefern und verarbeiten lassen. In der Kampagne sollen bis Ende Februar 1,6 Millionen Tonnen Rüben verarbeitet werden.
Rückblick: Am Sonntag, 23. November, wurde die Produktion in der Zuckerfabrik Frauenfeld gestoppt. Dies meldete das Unternehmen in einer Medienmitteilung. Grund war ein Defekt am Kalkofen, der unmittelbar danach abgeschaltet und schliesslich zurückgebaut wurde. Dies dauerte eine Woche. Der Kalkofen wurde jährlich untersucht und zusätzlich zertifiziert, sagt Raphael Wild. Der Defekt kam überraschend. Die Ursache sei nicht bekannt, so Wild. Der Ofen hätte im Jahr 2028 ersetzt werden sollen.
Für die Bauern hiess es derweil abzuwarten. Die Rüben wurden während des Produktionsstopps von den Bauern teilweise in der Erde gelassen, damit sie keinen Schaden nehmen. Rüben, die schon geernet waren, lagerten mit Vlies abgedeckt. Die tiefen Temperaturen der vergangenen Tage waren kein Problem für die Rüben. Erst wenn sie auftauen, beginnen sie zu faulen.
(Ein ausführlicher Bericht zur Wiederinbetriebnahme finden Sie in der nächsten Ausgabe).
Text und Bild: Elke Reinauer