Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 07.01.2026

«Ich nehme meine Inspiration aus der Musik»

Achter Teil der Künstlerserie: Vreni Kauth

Licht fällt durch das Fenster des Ateliers in Frauenfeld. Der Duft nach Farbe steigt einem in die Nase. Umgeben von unzähligen Farbflaschen, Pinseln und Büchern fühlt man sich hier gleich wie zu Hause. Vreni Kauth sitzt am Tisch, vertieft in die Arbeit an ihrem nächsten Werk.

 

 

«Ich nehme meine Inspiration aus der Musik», sagt die Künstlerin Vreni Kauth. Sie liebe klassische Musik, wie etwa die Stücke von Antonio Vivaldi. Immer, wenn sie allein sei, laufe Musik.
Bevor sie zu malen beginnt, mache sie als erstes eine Skizze. Diese dient ihr als roter Faden. Das fertige Kunstwerk sieht am Schluss aber ganz anders aus.
Manchmal arbeite sie auch sehr spontan, meistens sehr genau. Sie malt alles: von Bergen und Tieren bis zu Menschen. Häufig kreiert Kauth auch abstrakte Werke. Dabei legt sie mehrere Schichten Farben übereinander oder trägt auf die Bilder Gold oder Eisen auf. Momentan arbeitet sie mit fünf bis sechs Lagen Farbe. Jedes Bild sei anders und die Künstlerin verwendet immer wieder eine andere Technik. Manchmal bettet sie auch richtige Gegenstände in ihr Bild ein oder arbeitet mit getrockneten Blättern und alten Tapeten. Bis zu vier Jahre kann es dauern, bis ein Bild komplett fertig ist.
«Malen ist mein Leben», sagt die Künstlerin. Viele Bilder malt Kauth im Auftrag von ihren Kundinnen und Kunden. Die Leute äussern ihre Wünsche, wie etwa eine Zeichnung von ihrem Hund. Dafür nutzt sie dann ein Foto der Tiere. Auch selbstgezeichnete Weihnachtskarten zählen zu ihren gefragten Arbeiten. «Ich habe immer das Gefühl, dass ich noch mehr lernen muss», sagt Kauth. Sie lege daher grossen Wert auf Weiterbildungen. Die Künstlerin besuchte schon Einige, unter anderem an der Kunstakademie Salzburg oder in Bad Reichenhall. «Wenn man aufhört zu lernen, wird man alt», fügt sie an. Dieses Jahr war sie schon an drei Weiterbildungen, unter anderem um zu lernen spontan zu arbeiten. Sie sagt: «Ich möchte wegkommen, vom genauen arbeiten.»


Freiheit in Kursen
Gleich neben dem Haus der Künstlerin befindet sich ihr Atelier. Seit 1990 bietet sie darin eigene Malkurse an. Von Montag bis Donnerstag können Interessierte von ihrem Angebot profitieren. Die Farben und Werkzeuge, wie die Pinsel sind im Preis inbegriffen. «Jeder kann malen, was er möchte», sagt sie. Ihre Kurse sind sehr frei gestaltet. Wer Interesse hat, kann an ihren Malkursen teilnehmen. Begabt sei jeder, sagt sie. «Ich gehe auf jede Person einzeln ein», sagt Kauth. Ihre Schüler können mit Öl oder Aquarellfarben malen oder Collagen kreieren. Ihr sei besonders wichtig, dass sich die Menschen wohl fühlen. «Mir ist auch wichtig, dass sie lernen können, was sie wollen», ergänzt sie. Einige besuchen schon über 30 Jahre ihre Kurse. Auch Jugendliche konnte die Künstlerin für ihre Malschule begeistern.


Mischen lernen
Zuerst bietet sie ihren Schülern einen Aufbau an. Wollen sie etwa mit Acrylfarben malen, müssen sie zuerst mischen lernen und erst dann gestalten sie ihr eigentliches Bild.  Einige ihrer Schüler haben selbst grossartige Karrieren hinter sich und konnten das Malen zu ihrem Beruf machen.


Weg zur Künstlerin
Aufgewachsen in Oberaach im Kanton Thurgau zeichnete die Künstlerin schon als Kind gern. Ihre Mutter war Näherin in einer Schuhfabrik. Sie zeichnete selbst gut und gab diese Begabung an ihre Tochter weiter. Mit sechs Jahren gewann Vreni Kauth dann ihren ersten Preis. «Ich habe eine Haarbürste gewonnen», sagt die Künstlerin und schmunzelt. Später wollte sie die Kunstgewerbeschule in Zürich besuchen. Sie absolvierte die Prüfungen und bestand. Besuchen konnte sie die Schule allerdings nicht, weil Kauth kein Stipendium erhielt. So entschied sie sich für die Lehre als Coutureschneiderin. Daraufhin besass sie dann vier Jahre lang ein eigenes Brautkleid Atelier und bildete sich noch weiter zur Handarbeits- und Fortbildungslehrerin. Aber das Malen blieb ein wichtiger Teil ihres Lebens. Als sie ihren zukünftigen Mann und Lehrer Jürg Kauth kennenlernte, konnte sie ihren Traum weiterverwirklichen. «Er hat mich sehr unterstützt», sagt Kauth. Durch seine Hilfe besuchte sie die Kunstgewerbeschule ein wenig später doch noch und zog zusammen mit ihrem Mann ihre zwei Kinder gross.
Zurzeit werden in der Venenklinik Bellevue in Kreuzlingen unterschiedliche Bilder von Vreni Kauth bis Ende Mai 2026 ausgestellt. Im Juni 2026 werden weitere Bilder im Wellenberg Bethesda Alterszentren AG in Felben-Wellhausen zu finden sein.
Mehr Informationen zu Vreni Kauth befinden sich auf ihrer Website:
www.vrenikauth.ch 


Text und Bild: Emma Ramsauer