Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 07.01.2026

Zwei junge Weltmeisterinnen stehen vor einer recht ungewissen Zukunft

Der Teen Dance Club Frauenfeld feiert in diesem Jahr sein zwanzig-jähriges Bestehen. Und durfte vor kurzem einen Meilenstein in seiner Geschichte vermelden: Zwei Weltmeisterinnen in der Kategorie Duo.

 

 

Beim Besuch in den Räumen der Motion Factory «Im Alexander», wo der Teen Dance Club Frauenfeld eingemietet ist, warten Desiree Di Bella (Winterthur) und Emilia Centeno Garcia (Frauenfeld) bereits auf den Besucher. Die 12- und 9-Jährige liessen sich vor ein paar Wochen in Polen die WM-Goldmedaillen im Lateintanz (Rumba) umhängen. Zudem gab es Silber in Samba, Cha Cha, Paso Doble und Jive. Zu recht dürfen die jungen Tänzerinnen stolz sein auf ihre Leistung, denn sie sagen praktisch gleichzeitig: «Die Konkurrenz war stark. Vor allem ein Geschwisterpaar stach heraus. Es konnte natürlich sogar zu Hause in der Stube üben». Bereits vor diesem WM-Titel haben die beiden TDC-Youngsters verschiedene Pokale eingeheimst.


Auch nationalen Titel geholt
Dieser internationale Erfolg der Sechst- und Viertklässlerin kommt nicht von ungefähr. Bereits an den Schweizer Meisterschaften in Lausanne haben sie im Frühling 2025 ebenfalls gewonnen und sich so für die WM in Polen qualifiziert. Der Teen Dance Club Frauenfeld hatte in der Westschweiz damals richtig abgeräumt: 24 Gold-, 27 Silber- und 17 Bronzemedaillen.
Dass zwei Mädchen im Duo miteinander antreten, das ist erst seit vier Jahren möglich. Und noch nicht überall akzeptiert. Auch der Kanton Thurgau vergibt für diese Sparte noch keine Sport-Gelder als Entschädigung für internationale Auftritte. Primär müssen die Eltern tief in die eigene Tasche greifen. Darum ist klar, Sponsoren sind immer willkommen. Denn es gibt zahlreiche Trainings-Weekends (vorwiegend am Sonntag) und natürlich Wettkämpfe am Wochenende.
Eigentlich trainieren Desiree Di Bella und Emilia Centeno Garcia zweimal pro Woche, dazu kommen etliche Privatstunden. Vor dem WM-Titelkampf standen sie sogar bis zu sechsmal pro Woche auf dem Parkett.


Zwei Meter Abstand
An der Weltmeisterschaft setzten sich Di Bella/Garcia gegen fünf Konkurrentinnen durch. Beim Auftritt muss logischerweise alles sehr synchron aussehen. Der Abstand zwischen den Tanzenden darf höchstens zwei Meter betragen. Dass die zwei das perfekt beherrschen, bewiesen sie nun bei der Vorführung ihres WM-Gold-Tanzes. Die Bewegungen wurden exakt und unheimlich schnell vorgetragen, so dass der Fotograf für ein gutes Bild sogar einen zweiten Tanz verlangte. Diesem Wunsch kamen die beiden gerne nach.
Noch offen ist aber, wie es für die zwei Besten der Welt weiter geht. Weil die zwölfjährige Desiree in diesem Jahr in einer Stufe höher antreten muss, kann sie ihren Titel an der nächsten WM nicht verteidigen. Für die neunjährige Emilia wäre dieser Sprung wohl zu gross. Allerdings hält Trainerin Carmen Huber fest: «Ich würde ihr das zutrauen. Aber wir alle müssen dieses Prozedere in Ruhe besprechen und abklären, was wir nun entscheiden».


Extra wieder ein Jahr aktiv
Dieser historische Erfolg für den TDC – der heuer sein 20-jähriges Bestehen wohl mit einem grösseren Fest feiert – freut natürlich die Gründerin Carmen Huber besonders. Sie hat nach ihrem Rücktritt extra wieder ein Jahr aktiv getanzt und wurde an der Weltmeisterschaft im Solo Fünfte: «Das war eine einmalige Sache. Wenn ich schon unterrichte, muss ich das doch auch können, habe ich mir gesagt».
Vielleicht dürfen sich Carmen Huber und die 58 Mitglieder des Teen Dance Club (der Jüngste ist fünf, der Älteste 75) bald wieder über eine WM-Medaille freuen. Würde bestens passen, wenn das jetzt im 2026 passiert, denn das 20-Jahr-Jubiläum steht am 15. August an.


Text und Bild: Ruedi Stettler