Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 14.01.2026

Durch Wald und Schnee: unterwegs mit Pöstler Sebi Oehninger

Seit Anfang des Jahres wird die Frauenfelder Woche mit der Post verteilt. Unsere Redaktorin Elke Reinauer hat Pöstler Sebi Oehninger auf seiner Tour durch Gerlikon begleitet.

 

 

Das Thermometer zeigt minus sechs Grad an diesem Morgen um halb acht. Draussen ist es noch dunkel, aber drinnen im Zustellzentrum der Post in der Frauenfelder Langfeldstrasse ist alles hell erleuchtet. Zusteller sortieren Briefe, Prospekte und die Frauenfelder Woche in die Fächer für ihre Tour. An den Fächern stehen die Strassennamen und Hausnummern. Anschliessend werden diese in Boxen sortiert. Ich bin mit Sebi Oehninger von Team 4 verabredet, der seit 23 Jahren als Zusteller bei der Post arbeitet. Team 4 besteht aus 18 Mitarbeitern. Sebi Oehninger kommt gerade vom Paketzentrum, dort hat er an diesem Morgen schon die Pakete in seinen Lieferwagen aufgeladen. «Als ich bei der Post angefangen habe, sind Pakete und Briefe noch getrennt verteilt worden», berichtet er. Das hat sich geändert. Vor allem auch durch die Pandemie. Damals gab es eine Flut von Paketen und die Briefzusteller halfen mit, diese zu verteilen. Sebi Oehningers gelber Transporter ist voll beladen mit Paketen und Kisten, in denen sich neben Briefen auch die Frauenfelder Woche befindet. «Gut, dass wir sie dabeihaben», sagt Sebi. Denn mit der Zeitung, die er hochkant aufstellt, trennt er die Briefstapel voneinander ab. Die erste Kiste stellt Sebi auf die Mittelkonsole. Dann geht es hinaus aus Frauenfeld Richtung Gerlikon.


Kälte und Herausforderungen
Träge dämmert der Morgen, als wir den Berg hochfahren Richtung Gerlikon. Schnee liegt auf den Feldern und teilweise auf den Wegen. Sebi erzählt, dass die Kälte einem schon zu schaffen mache. Man müsse aufpassen, wenn es rutschig ist. Vor uns tauchen die ersten Häuser auf und Sebi parkt am Trottoir. Er greift in die Kiste und zieht den ersten Packen Briefe und die Frauenfelder Woche hervor. Wir steigen aus und er wirft alles in den Briefkasten. Die erste von der Post gelieferte Frauenfelder Woche landet somit in Gerlikon. Und so geht es weiter. Nach ein paar Briefkästen sagt Sebi: «Keine Angst, jetzt geht es in den Wald.» Wir biegen auf einen verschneiten Landweg ab. Das Auto hoppelt über den schmalen Weg. Der abgelegene Bauernhof kommt in Sicht. Hier parkt Sebi hinter einem Bauwagen und muss rückwärts zurückfahren, nachdem er die Post eingeworfen hat, weil es keine Wendemöglichkeit gibt. Jetzt ist es bereits hell, ein Hundespaziergänger kommt uns entgegen. Mit Hunden hatte Sebi bis jetzt keine negativen Erfahrungen, erzählt er. «Einmal hat einer nach einer Zeitung geschnappt», sagt er und lacht. Er weiss genau, in welchem Haus Hunde wohnen.
Als wir wieder im Dorf sind, halten wir an einem weiteren Hof. Es ist kurz nach neun Uhr. Zu spät, um die Frauenfelder Woche zum Frühstück zu lesen. Früher hatten die Leute bis Mittag ihre Post gehabt, sagt Sebi, heute könne es auch früher Nachmittag werden. Es liege an den Paketen: Je mehr Pakete, desto länger dauere die Tour. Ein Bewohner kommt gerade aus dem Haus. Ja, er habe gelesen, dass die «Grüne Zeitung» nun per Post verteilt werde, sagt er. Nein, es sei nicht schlimm, dass sie nun später komme. «In Gerlikon sind wir entschleunigt», sagt er.


Kontakt und Kaffee
«An meinem Job mag ich den Kontakt zu den Kunden. Besonders auf dem Land», sagt Sebi. Inzwischen wisse er, wer vormittags zu Hause ist, wer arbeitet, oder wo es auch mal einen Kaffee gibt.
Weiter geht die Tour durchs Dorf. An einem Neubau öffnet uns eine Frau die Tür, die sich über die Post und die Frauenfelder Woche freut. Diese lese sie regelmässig. Wer keine Frauenfelder Woche erhalten möchte, muss eine Meldung machen. Allein der Aufkleber «Bitte keine Werbung» reiche nicht, erklärt Sebi, da die Zeitung auch ein amtliches Publikationsblatt ist.
Die erste Kiste mit Briefen ist leer, Sebi holt die zweite aus dem Kofferraum. Bei einem weiteren Neubau wirft er zuerst die Briefe in den Kasten an der Strasse, dann holt er Pakete und schleppt sie nach hinten zu den Haustüren. «Manche bestellen sehr viel», sagt er. Während der Pandemie sei es extrem gewesen. «Es gab Sachen, die waren so gross, da hab ich gestaunt, dass die Post das ausliefert.» Er erinnert sich, dass er während Corona die Teile eines gesamten Spielplatzes für einen Privathaushalt geliefert habe. «Die Pakete – und auch die Zeitungen und Prospekte – sichern unseren Beruf», sagt er. Denn durch die Digitalisierung sei die Briefpost weniger geworden.


Seit 23 Jahren dabei
Seit 23 Jahren erlebt Sebi diese Veränderungen mit. Er hat seine Lehre bei der Post gemacht, damals waren Briefzustellung und Paketzustellung getrennt. Während der Ausbildung hat er aber auch Paketzusteller begleitet oder Dienst am Schalter gehabt. Der Beruf ist digitaler geworden: Mit seinem Diensthandy scannt er Pakete ab und dort sind auch die Routen gespeichert. Nach seiner Lehre arbeitete Sebi in Tägerwilen/Gottlieben und erinnert sich gern an die Zeit, als er sich während seiner Tour am oft zugigen Seerhein im Gottlieber Dorflädeli aufwärmen oder auch mal die Toilette nutzen konnte. Die Möglichkeit gibt es für Pöstler nicht an allen Orten. Auch die Arbeitszeiten haben sich verändert, früher gab es Sechs-Tage-Wochen mit sieben Stunden Arbeitszeit am Tag, nun arbeiten die Pöstler acht Stunden am Tag, fünf Tage in der Woche. «Manche denken, der Pöstler hat es gut, der hat ja nachmittags frei. Aber je nachdem kann eine Schicht auch mal länger gehen. Und wir fangen ja früh an», sagt Sebi, der an diesem Morgen um 5 Uhr 15 seinen Dienst begann.
Während die ersten Leser schon die Frauenfelder Woche aus dem Briefkasten fischen, geht Sebis Tour zu Ende. Als wir den Berg wieder hinunterfahren Richtung Frauenfeld, merke ich erst, wie durchgefroren ich trotz der vielen Lagen Kleidung bin, und verstehe Sebi, der das Wetter als Herausforderung sieht. Für ihn ist klar: Er wird seinen Job weitermachen, trotz Herausforderungen und Veränderungen. «Entweder macht man mit, oder nicht», sagt er zum Thema Veränderungen. Viele seiner Kollegen sind schon jahrzehntelang dabei. «Wir sind ein gutes Team, haben einen guten und sehr sozialen Teamleiter», sagt er. Und schon morgen wartet die nächste Tour – mit Briefen, Paketen und neuen Begegnungen auf dem Land.  


Text und Bild: Elke Reinauer