Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 14.01.2026

Gute Ernte, bittere Pille

Zurück auf dem Feld: Landwirt Andreas Peter aus Niederwil atmet auf, seine 700 Tonnen Rüben wurden am Freitag abgeholt. Da war sein «Maustag», so heissen die Tage, an denen die Rüben mit der Rübenmaus verladen werden.

 

 

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagt er. Seine Zuckerrüben wurden zwischen Weihnachten und Neujahr geerntet. Andere Landwirte, die früher geerntet hatten, hätten es nicht so gut getroffen. Dort, wo sich die Rüben stapeln, bestehe die Gefahr, dass sie faulen. Wenn sie zu lange liegen, gibt es einerseits Ertragseinbussen für die Landwirte, andererseits hat die Fabrik Probleme bei der Verarbeitung. Die Wärme, die sich unter den Rüben auf dem Haufen bildet, sorgt dafür, dass der Zuckergehalt sinkt, wenn sie zu lange gelagert werden. Ideal wäre ein Zu- und Abdecken der Rüben. Wenn Rüben bei Temperaturschwankungen an- und auftauen, sei das ebenfalls schädlich.
Andreas Peters Ernte ist in der Fabrik. Doch er sorgt sich um die langfristigen Auswirkungen. «Letztendlich fällt der Schaden auf uns zurück», sagt er.
Kurt Müller ist Vizepräsident des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer und Mitglied der Interprofession Zucker, dem Gremium, das die Preise und Übernahmebedingungen zwischen Fabriken und Bauern aushandelt. Er erklärt die Zusammenhänge: Der Preis, den Bauern für ihre Rüben erhalten, setzt sich aus einem festen Grundpreis und einem variablen Anteil zusammen. Dieser variable Anteil hängt vom wirtschaftlichen Erfolg der Fabrik ab und der werde durch den Unterbruch wohl wegfallen. Aktuell liegt der Grundpreis bei 53 Franken pro Tonne, dazu kommen Qualitätszuschläge. Andreas Peter sieht ausserdem den Preisdruck auf dem Markt: Wenn das Angebot gross ist, drückt es auf den Preis. «Landwirte müssen mithelfen, die Branche zu tragen.»


Gute Ernte
«Es war ein super Erntejahr», sagt er. Dann kam die bittere Pille, und es zieht sich alles in die Länge. Das Pflanzenanbaujahr wäre eigentlich längst abgeschlossen, sagt er. Der Zuckerrübenanbau ist essenziell für den landwirtschaftlichen Betrieb von Andreas Peter. «Zuckerrüben sind wichtig für andere Kulturen.» Sie lockern nicht nur den Boden auf, sie sorgen für eine vielfältige Fruchtfolge und sind wichtig für die Regulierung von Schädlingen. «Zuckerrübenanbau macht einen grossen Anteil unseres Betriebes aus», sagt Andreas Peter, der auf acht Hektar Rüben anbaut.
Auch Kurt Müller baut Zuckerrüben an. Den Verlust, der durch den Unterbruch in der Zuckerfabrik entstanden war, jetzt zu berechnen, sei schwierig, sagt er. Es gebe einen Spätablieferungszuschlag, doch dieser werde sowieso ausgeglichen, alle bekommen ihn, wenn bis zum 25. November nicht abgeliefert wurde. Er selbst habe 420 Tonnen Zuckerrüben in die Fabrik gebracht.


Schaden noch unklar
Die Interprofession prüft zuerst die Qualität der Rüben und will jetzt die Qualität nach dem Unterbruch ausfindig machen. Mann könne jetzt aber noch nichts über den Schaden sagen.
Auch der Transport der Rüben musste kurzfristig wieder organisiert werden. Es gibt regionale Transportgruppen und feste «Maustage», das sind die Tage, an denen die Rübenmaus die Rüben verlädt. So gab es einen neuen Plan. Insgesamt werden in dieser Kampagne 1,6 Millionen Tonnen Rüben verarbeitet, trotz des Monats Stillstand.  


Text und Bild: Elke Reinauer