Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 14.01.2026

Nach Stillstand: Zuckeri läuft wieder

Zuckerfabrik wieder in Betrieb

Anfang des Jahres bietet sich das für den Winter so vertraute Bild in Frauenfeld: Dampf steigt aus dem Turm der Zuckerfabrik, die Luft schmeckt süsslich und Rübentransporter flitzen durch die Stadt. Einen Monat stand die Produktion der Zuckerfabrik still, die Rüben blieben in der Erde oder angehäuft am Feldrand mit Vlies abgedeckt.

 

 

Krise in der Zuckerfabrik: Der Kalkofen fiel aus, warum könne nicht gesagt werden, so Mediensprecher Raphael Wild. Die Schamottsteine hatten sich verschoben. «Ich vergleiche es gerne mit dem Triebwerk eines Flugzeuges», dieses werde regelmässig sorgfältig gewartet und untersucht. So auch der Kalkofen, der jährlich untersucht und zusätzlich zertifiziert wurde. Der Ofen hätte im Jahr 2028 ersetzt werden sollen, ein neuer Ofen ist schon bestellt, dieser kommt bei der nächsten Kampagne zum Einsatz. Um die aktuelle Kampagne zu retten, wurde fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Genau einmal sei schon der Ausfall eines Kalkofens vorgekommen, und zwar in Deutschland. Die Lösung, gebrannten Kalk und Kohlendioxid extern anliefern zu lassen, erwies sich als bestmögliche Zwischenlösung. Diese Stoffe werden benötigt, um den Rübensaft zu reinigen. Ähnlich wie bei der Herstellung von Rahm setzen sich Trübstoffe des Rübensafts durch die Kalkmilch und das CO2 ab, einer der Schritte in der Zuckerherstellung. Raphael Wild sagte: «Wir sind stolz, so schnell eine Lösung gefunden zu haben.»
Die Kampagne der Zuckerfabrik läuft wieder. Ein Traktor mit zwei Anhängern fährt gerade auf das Gelände und lädt Rüben ab. Der Bagger steht schon bereit, um diese zu verteilen. Es dampft wieder aus dem Turm in den Frauenfelder Himmel.
Mediensprecher Raphael Wild führt durch das Gelände zum hinteren Teil der Fabrik. Hier wurden gerade Säcke mit gebranntem Kalk aus Belgien und Italien angeliefert. In zwei Silos befindet sich das Kohlendioxid, das ebenfalls aus dem Ausland und der Schweiz geliefert wurde. Säckeweise wird der Kalk in einen Container entleert und hier mit dem Kohlendioxid zu einer Kalkmilch gemischt. Von da an läuft die Produktion weiter, mit der Kalkmilch wird der Rübensaft gereinigt, ein Verfahren wie bei der Gewinnung von Rahm. Unerwünschte Stoffe setzen sich auf der Flüssigkeit ab. Aktuell können 160 Tonnen Rüben pro Stunde verarbeitet werden. Ziel sei es, wieder 200 Tonnen Rüben zu verarbeiten, sagt Mediensprecher Raphael Wild.
Bis Ende Februar wird die Kampagne dauern. Weil es so viele Rüben gab, wäre die Kampagne sowieso bis Ende Januar gegangen, so Raphael Wild. 1,6 Millionen Tonnen Rüben werden in dieser Kampagne verarbeitet. Es war ein gutes Jahr für den Zuckerrübenanbau. Die tiefen Temperaturen der letzten Tage sorgten dafür, dass die Rüben nicht verfaulten. Aber wenn es wärmer wird, bestehe die Gefahr, dass Rüben verderben. Um das Bestmögliche aus den Rüben herauszuholen, werden die schlechteren Rüben prioritär verarbeitet und mit «guten» Rüben zusammengemischt.


Schweizer Rüben
Jetzt haben die Landwirte die Gewissheit, dass ihre Zuckerrüben bis Ende Februar verarbeitet werden.
Anders sieht es für die Bauern aus Deutschland aus: Ihnen wurde die Verarbeitung in Deutschland empfohlen. Deutsche Rüben können erst wieder angenommen werden, wenn die Schweizer Rüben verarbeitet sind. Raphael Wild sagt, es habe in der Vergangenheit vonseiten der Schweizer Bauern die Frage gegeben, warum die Zuckeri deutsche Rüben annehme. «Weil zu wenig Schweizer Rüben angebaut werden», so die Antwort von Raphael Wild.
Der Zucker, der in Frauenfeld produziert wird, bleibt in der Schweiz: 80 Prozent gehen an die Lebensmittelindustrie und 20 Prozent werden als Zucker verkauft.


Text und Bild: Elke Reinauer