Frauenfeld · 14.01.2026
Weniger Mitglieder, gleich viel Engagement: Neun Delegierte in Synode gewählt
Evangelische Kirchengemeinde Frauenfeld
Präsident Heinz Stübi begrüsste die Anwesenden im sanierten Gemeindehaus mit der Jahreslosung 2026: «Siehe ich mache alles neu.» Neues gab es während der Kirchgemeindeversammlung auch: vor allem Neu- und Wiederwahlen. Doch zuerst wurde gesungen, dann ging es zu den Traktanden über. Von 688 Stimmberechtigten waren 86 anwesend.

Präsident Heinz Stübi berichtete, dass die Zahl der Gemeindemitglieder unter die 7000er-Marke gefallen sei, auf 6929. «Wir müssen es hinnehmen und können das Möglichste machen, dass die Leute in der Kirche bleiben», sagte er. Und die, die bleiben, setzen sich ein, wie der nächste Tagesordnungspunkt zeigte: Wahlen und Wiederwahlen der Delegierten der Evangelischen Kirchengemeinde in die Synode für die Legislatur 2026 bis 2030. Zur erstmaligen Wahl stellten sich Monika Blumer und Daniel Keller zur Verfügung. Zur Wiederwahl standen Martina Bell-Hotz, Stefan Hilziger, Paul Horber, Andreas Rippert, Heinz Stübi, Michael Tschumi und Hansruedi Vetsch. Alle Personen wurden gewählt. Verabschiedet wurden Hans Ueli Ehrensperger, Marianne Luginbühl und Anina Schwarz (nicht anwesend). Die geringeren Gemeindemitgliederzahlen wirkten sich auf die Synode aus: «Es waren in der Vergangenheit zehn, jetzt sind es nur noch neun Sitze», so Heinz Stübi.
Wahlen gab es auch für die Mitglieder der Wahlvorbereitungskommission. Wiedergewählt wurden Sigrid Wrensch und René Hasler. Neugewählt wurde Heinz Pfändler. Präsident Heinz Wilhelm trat nach achtjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl an. Die Stelle bleibt vakant. Augenzwinkernd verkündete Heinz Wilhelm, dass er den zum Abschied überreichten Geschenkkorb gerne gegen den Ordner seines Amtes eintauschen werde. Ausserdem hatte er eine Liste mit Aufgaben erstellt. Er betonte, wie wichtig die Kommission sei, die Mitglieder bringen ein grosses Netzwerk mit, aus dem sie schöpfen könnten.
Steuerfuss unverändert
Kirchenpfleger Raimondo Branca stellte den Finanzplan für 2026 vor. Die Stimmberechtigten genehmigten mehrheitlich das Budget für 2026, das ein Defizit von 242 900 Franken aufweist. Die Ausgaben für 2026 betragen rund 3,65 Millionen Franken, die Einnahmen belaufen sich auf 3,41 Millionen Franken. Der Steuerfuss von 16 Prozent bleibt unverändert. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag das Defizit bei 367 100 Franken bei Ausgaben von 4,9 sowie Einnahmen von 4,60 Millionen Franken.
Der Personalaufwand steigt um 3,3 Prozent auf 2,6 Millionen Franken. Dies beinhaltet eine zusätzliche befristete Ausbildungsstelle von 50 Prozent sowie den von der Kantonalkirche vorgegebenen Stufenanstieg von 1,0 Prozent. Auf einen Teuerungsausgleich wird verzichtet. Der Stellenplan umfasst neu 17,45 Vollstellen.
Der Sachaufwand sinkt um 5,1 Prozent auf 928 600 Franken, da verschiedene einmalige Anschaffungen wie der Ersatz des Flügels im Kirchgemeindehaus oder die Erneuerung der Internetseite 2026 nicht mehr anfallen.
Keine Investitionen über 100 000
Das Defizit sei unter Berücksichtigung der Eigenkapitalreserven vertretbar, erklärte Branca. Per 1. Januar 2025 verfügte die Kirchgemeinde über Eigenmittel von 9,7 Millionen Franken, was einem Eigenmittelanteil von 75 Prozent entspricht. Unter Berücksichtigung des Kredits von 2,5 Millionen Franken für die Innensanierung des Kirchgemeindehauses sinkt der Eigenmittelanteil per Ende 2026 auf 66 Prozent.
Für 2026 sind keine aktivierbaren Investitionen über 100 000 Franken geplant. Der Liegenschaftenunterhalt ist mit 125 000 Franken budgetiert, davon 45 000 Franken für Klein-
projekte und Unvorhergesehenes. Mittelfristig rechnet die Kirchenvorsteherschaft mit rückläufigen Steuereinnahmen, nicht zuletzt aufgrund sinkender Mitgliederzahlen von jährlich 1,5 Prozent. Auch für zwei Bauabrechnungen wurde mehrheitlich mit Ja gestimmt. Stephan Winkler, Präsident der Baukommission, präsentierte die Bauabrechnung der Brandschutzmassnahmen in der Stadtkirche. Er blickte auf aufwendige Arbeiten zurück, etwa das sorgfältige Aufschneiden von Türblättern, um die alten Türen optisch zu erhalten, aber zu automatischen Öffnungen umzubauen. Ausserdem wurden die sechs vordersten Kirchenbankreihen durch Stühle ersetzt. Die Gesamtinvestitionen betrugen brutto 542 511 Franken; 32 511 Franken höher als budgetiert. Bei der zweiten Bauabrechnung für die Innensanierung des Gemeindehauses fiel die Abrechnung netto 213 692 Franken (477 801 Franken brutto) höher aus als budgetiert. Die Abrechnung betrug 4 070 801 Franken. «Die Sanierung hat viel Nerven gekostet», blickte Heinz Stübi zurück.
Eigentumswohnungen geplant
Claudio Nägli informierte über den Stand des Bauprojekts «Im Oberkirch». Hier sollen Wohnungen gebaut werden. Da das Projekt teurer geworden sei als gedacht, werden Eigentumswohnungen gebaut und verkauft. Vier Wohnungen wird die Kirchengemeinde vermieten und behalten, ausserdem soll eine davon als Pfarrwohnung vermietet werden.
Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde die neue Sozialdiakonin in Ausbildung, Tanja Ammann, vorgestellt.
Einen besonderen Rückblick gab es zudem auf das Musical «Sinnsalabim», das mit 133 Mitwirkenden und 1500 Besuchern über die Bühne gegangen war. Zum Schluss äusserte Kantor Christoph Lowis noch einen Wunsch: Die kleine Orgel unter der Kanzel war ausgerechnet einen Tag vor dem Adventskonzert kaputtgegangen.
Man habe das Positiv von der Katholischen Kirchengemeinde ausgeliehen: «Und wir haben uns ein wenig in die Thunerorgel verliebt», sagte er. Ein ähnliches Modell wäre ein Wunsch für die Zukunft. Anschliessend schloss die Versammlung mit einem Lied, ehe es zum Apéro überging.
Text und Bild: Elke Reinauer