Frauenfeld · 21.01.2026
Historische Schätze und 30 Jahre Pfingstkonzerte
Jahresprogramm Kartause Ittingen
Die Stiftung Kartause Ittingen hat ihr Jahresprogramm 2026 in einem Mediengespräch vorgestellt. Neben den 30. Pfingstkonzerten und einer Ausstellung des französischen Künstlers Fabrice Hyber wartet ein kartografischer Schatz: die handgezeichnete Güterkarte des Ittinger Mönches Josephus Wech.

Erstmalig wird ein besonderes Werk der Kartografie im Ittinger Museum ab 27. September zu sehen sein. Kurator Felix Ackermann berichtete von dem eindrücklichen Werk des Ittinger Mönches Josephus Wech (1702 bis 1761): Neben zahlreichen Verwaltungshandbüchern fertigte er eine Güterkarte an. Diese hat er mit seinen Händen auf verschiedene Papierstücke gezeichnet und dann zu einer Karte zusammengefügt. Sie ist 3,5 Meter hoch und 5 Meter breit. Sie wird für die Ausstellung digitalisiert vom Amt für Geoinformation und auf dem Geoportal aufrufbar sein. «Es ist ein eindrücklicher Plan», so Felix Ackermann. Auf einer Projektionsfläche werde dieser dann digital überblendet mit einem aktuellen Satellitenbild des Gebietes. Hier könne man unter anderem die Thur in der begradigten Form sehen, in der historischen Karte in der ursprünglichen.
Die Teile der Karte befanden sich in Privatbesitz des Gutsbesitzers, bis die Stiftung die Kartause Ittingen 1977 übernahm. «Dafür, dass sich die Teile so lange in Privatbesitz befanden, haben sie es gut überlebt», so Felix Ackermann.
30 Jahre Pfingstkonzerte
Einen weiteren Höhepunkt in diesem Jahr bieten die Pfingstkonzerte: Bereits zum 30. Mal werden diese stattfinden, sieben Konzerte während vier Tagen (von 22. bis 25. Mai). «Aufhören» ist das Thema der Jubiläumsausgabe. Reto Bieri, Klarinettist, hat ein auf die Geschichte und den Ort der Kartause abgestimmtes Programm zusammengestellt. Auf dem Programm stehen Werke von Franz Schubert bis Kaija Saariaho.
Der Stiftungszweck «Erhalten und Beleben» gelte in diesem Jahr weiterhin, so Mark Ziegler. Im vergangenen Jahr wurde bereits das Dach über der Remise saniert, in diesem Jahr das Dach der ehemaligen Stallungen. Langfristig gesehen seien Individualgäste sehr wichtig für die Kartause, so Mark Ziegler. Um die Anlagen zu erhalten und Gelder für die Sanierung zu generieren, werde man ein Fundraising organisieren, sagte er. Im nächsten Jahr feiert die Stiftung ihren 50. Geburtstag. Dafür wird bereits ein Theaterstück mit der Theaterwerkstatt Gleis 5 unter der Leitung von Giuseppe Spina geplant, welches am 18. Februar 2027 aufgeführt werden soll.Thomas Bachofner von tecum präsentiert ein buntes Angebot, bei dem der Fokus auf Spiritualität liege. Die sechstägige Auszeit im Kloster mit individueller Begleitung sei sehr beliebt. Neu in diesem Jahr, neben meditativen Zeiten und der Arbeit mit einer Trauma-Therapeutin, sei die Begleitung durch einen Coach, mit dem die nächsten Schritte der jeweiligen Lebenslage angeschaut werden. Die Auszeit richtet sich an alle, die zu sich selbst finden möchten oder privat und beruflich vor Herausforderungen stehen. Thomas Bachofner freut sich auch auf die Singworkshops mit John Bell, der irische und schottische Volksmusik mitbringen wird. «Er besitzt die Gabe, Leute, die nicht so singaffin sind, zum Singen zu bringen, und vermittelt Freude», sagte er. Eine Verbindung besteht zur schottischen Insel Iona schon länger: Bereits zum vierten Mal hatte tecum eine Reise auf die Insel organisiert, dort befindet sich ebenfalls ein Kloster. Von hier aus brachten Wandermönche das Christentum unter anderem in die Schweiz.
Personelle Veränderungen
Philipp Kuhn, Leiter des Kulturamts, berichtete, dass das Kunstmuseum bis auf Weiteres interimistisch von ihm und Stefanie Hoch, stellvertretender Direktorin des Kunstmuseums, geleitet werde, da der bisherige Leiter, Peter Stohler, aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft ausfalle. Er blickte zurück auf die Ausstellung Reliquien, die im Ittinger Museum noch bis 30. Juni zu sehen sei. Zehn Ausstellungen konnten sie im vergangenen Jahr eröffnen, mit 25 000 Besuchern konnte man die Besucherzahl halten. Stefanie Hoch wies auf die Ittinger Sternstunde hin, die am vergangenen Freitag mit der Philosophin, Autorin und Dozentin Barbara Bleisch und Pater Martin Werlen Premiere feierte.
Ein weiteres Highlight ist die Ausstellung des französischen Künstlers Fabrice Hyber (29. März bis 30. August). Der Künstler ist auch Landwirt und die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Kunstmuseum Thun statt. In seinen Gemälden geht es viel um Natur, es werden aber auch dreidimensionale Kostüme, die verschiedene Alter Egos des Künstlers darstellen, zum Anprobieren für die Besucher zur Verfügung stehen. «Es wird eine sehr spielerische Ausstellung.» Ein weiteres Highlight in diesem Jahr ist die Ausstellung der Frauenfelder Fotografin Simone Kappeler mit dem Titel «nature vivante». Mit analogen Apparaten und Bildverfahren wie Röntgenfotografie oder Infrarot entstehen besondere Bilder. Natur, beziehungsweise Wald, steht im Fokus als Jahresthema der Kartause. So werden geführte Rundgänge durch den Ittinger Forst angeboten. Ausserdem läuft noch bis Ende des Jahres die Ausstellung «Zwischen Wurzeln und Wipfeln: ein Waldspaziergang durch die Sammlung» mit Werken von Helen Dahm, Adolf Dietrich und weiteren Künstlern.
Text: Elke Reinauer
Bild: zvg
Das komplette Programm ist online einsehbar: www.kartause.ch.