Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 21.01.2026

Europameister Britschgi geht diesmal leer aus

An der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Sheffield landete Titelverteidiger Lukas Britschgi vom Eissport Club Frauenfeld auf dem undankbaren vierten Rang.

 

 

Vor einem Jahr beim Titelkampf in Tallinn machte Lukas Britschgi nach dem Kurzprogramm von Platz acht aus den gewaltigen Sprung ganz an die Spitze zum Europameister. Diesmal in Sheffield gab es nach einem eigentlich soliden Auftritt Platz sechs mit 82,12 Punkten. «Ohne kleine Fehler wären es sicher etwas mehr geworden», meinte das Mitglied des ES Frauenfeld.
In der Kür gelang dem am 17. Februar 28 Jahre alt werdenden Schaffhauser – der mehrheitlich in Oberstdorf (De) trainiert und auch lebt – der Vorstoss auf Platz vier. Die Medaillen-Hoffnungen haben sich also nicht erfüllt. Im Gegensatz zum Vorjahr und einer wirklich brillanten Kür gab es diesmal früh einen Schreckmoment. Schon beim zweiten Element stürzte der Europameister und wenig später musste er sich mit einer Hand auf dem Eis kurz abstützen.
Dass nur 1,37 Punkte zur Bronzemedaille fehlten, war keine Genugtuung, denn mit 154,78 Zählern blieb er gleich satte 30 Punkte hinter seiner eigenen Bestleistung zurück. Deshalb war ihm die Enttäuschung nach seinem Auftritt anzusehen. Doch jetzt gilt es den Blick sofort vorwärts zu richten, denn in weniger als drei Wochen folgt Olympia und im März steht noch die WM bevor.
Die EM-Bilanz des fünffachen Schweizer Meisters darf sich aber sehen lassen. 2023 in Espoo gab es Bronze, 2025 in Tallinn Gold und nun in England Rang vier.


Nachfolgend hat Lukas Britschgi unsere Fragen spontan beantwortet.


Wie stufst Du diesen vierten EM-Rang ein?
Leider konnte ich nicht ganz so performen, wie ich es mir erhofft habe. Ich kam natürlich mit einem anderen Ziel an diese EM und wollte mindestens eine Medaille gewinnen, jedoch hatte ich bei der Kür nicht meinen besten Tag. Zu viele Fehler. Trotz diesem „verpatzten“ Programm noch Vierter zu werden, zeigt, dass ich irgendwie da ganze vorne hingehöre. Das motiviert mich sehr! Im Kurzprogramm bekam ich die besten künstlerischen Noten und in der Kür die zweitbesten. Und das trotz technischen Fehlern. 


Warst Du nervöser als sonst, dass schon der Auftakt zu Kür nicht wunschgemäss glückte?
Nervös war ich nicht, aber angespannt. Das gehört allerdings dazu, jedoch war es vielleicht ein bisschen mehr als üblich. Jetzt richtet sich der ganze Fokus auf die Olympischen Spiele in unserem Nachbarland.


Was hat im Kurzprogramm nicht ganz gepasst?
Leider habe ich nicht so gut angefangen und zwei Unsauberkeiten kosteten Punkte. Es war fast so etwas wie eine Achterbahn und dann bis am Schluss einfach nur ein Kampf.


Wie verlief die Vorbereitung auf diese EM in Sheffield?
Sie lief mehrheitlich gut, ich fühlte mich physisch und mental in guter Form und war zuversichtlich, dass ich wieder gute Leistungen zeigen kann. Der letzte Wettkampf waren die Schweizer Meisterschaften, wo ich in beiden Programmen sicher unterwegs war. Da wollte ich weitermachen. 


Hast Du als amtierender Europameister mehr Druck gespürt, als bei früheren Teilnahmen?
Als Titelverteidiger gab es sicherlich ein bisschen mehr Druck. Aber ehrlich gesagt, den habe ich so gut wie es geht ausgeblendet. Der grösste Druck kommt von mir selbst, aber an den bin ich mich gewohnt. Ich wollte auch in Sheffield einfach wieder meine beste Darbietung zeigen. 


Diese EM war Hauptprobe für die Olympischen Spiele. Oder hast Du das noch ausgekammert?
Die EM fühlte sich weniger als Hauptprobe, sondern als eigener wichtiger Wettkampf an. Die Olympischen Spiele im Februar waren dabei nicht im Kopf. Ich musste mich auf diesen Titelkampf konzentrieren, bevor der spezielle Anlass in Italien kommt. Step by Step. 


Bist Du auch diesmal bei Art on Ice wieder dabei?
Ja, und ich freue mich jetzt schon auf die tollen Shows mit den vielen Künstlern und Athleten.


Sieht man Dich irgendwann auch als Gast beim ES Frauenfeld?
Diese Saison hatte ich bis jetzt leider wenig Zeit, vorbeizukommen, da der Fokus ganz auf den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele lag.


 Interview: Ruedi Stettler


 


Kaisers Rückschlag
Nicht nach Wunsch lief es in der EM-Kür dem ehemaligen Mitglied des ES Frauenfeld, Livia Kaiser. Die Amlikonerin fiel vom neunten sogar noch auf den 17. Platz zurück. Und dies, obwohl die 21-Jährige mit 154,04 Punkten eine Saisonbestleistung erzielte. 


Text: Ruedi Stettler