Frauenfeld · 04.02.2026
Künstliche Intelligenz: Fluch oder Segen?
Vortrag über künstliche Intelligenz beim Neujahrsanlass der SVP am Iselisberg
Die SVP am Iselisberg hatte zum Neujahrsanlass ins Alte Schulhaus in Buch eingeladen. In der Vergangenheit hatte es Podiumsgespräche gegeben, erklärte Philipp Waelti, Ortsparteipräsident der SVP Iselisberg. In diesem Jahr hatte man sich aber für einen Referenten entschieden, der zum Thema KI einen Vortrag halten würde.

Andy Kutter, Referent und Direktor von Kyos, einer Cybersecurityfirma aus St. Gallen, verspätete sich. Das Alte Schulhaus zu finden, stellte sich nicht so einfach dar, das Navi hatte ihn nach Uesslingen geschickt. Dank eines freundlichen Postbusfahrers fand er schliesslich den Weg. In diesem Fall hatte die Maschine versagt. Wie passend als Einstieg zu einem Vortrag, in dem die Vorzüge und Nachteile der KI erklärt wurden. «Das Persönliche zählt eben doch», sagte er.
Andy Kutter begann seinen Vortrag mit einem Fake-Video, das von der KI erstellt wurde, in dem Selenskyj und Putin friedlich nebeneinander stehen. Er wies auf die Auswirkungen hin: «Fake-Videos verbreiten sich rasant. Sie sind schneller als die Wahrheit.» Es scheine schier unmöglich, nach dem Verbreiten die Falschinformationen zu berichtigen. Mit KI werde die Realität kopierbar, eine neue Stufe der Manipulation entfalte sich dadurch. KI werde längst in Kriegen eingesetzt und das Perfide: KI bilde sich rasch weiter, zu schnell für unser Hirn, das grösstenteils immer noch wie das Hirn eines Neandertalers funktioniere. Da entstehe eine riesige Lücke, die unser Denken nicht schliessen könne.
Wie KI funktioniert
Er ging auf die Grundlagen von Large Language Models wie ChatGPT ein: KI sammele
Informationen in Sekundenschnelle und setze das wahrscheinlichste Wort hinter das letzte. «KI ist nicht intelligent, sie wirkt intelligent.» Schaffe aber locker eine Matura, sagte er. KI bestehe aus riesigen Datenbanken, die Wahrscheinlichkeiten herausfilterten und geschickt kombinierten. KI sei ein wahnsinnig gutes Tool, um Ideen zu strukturieren und um Zeit zu sparen. Und helfe bereits in der Medizin. «Man kann KI nicht nur verteufeln, KI ist ein enormer Fortschritt.» Ein Fortschritt, der die Arbeits- und Berufswelt verändern werde. «Berufe wie Anwälte und Banker werden mit KI irgendwann überflüssig sein», meinte er. «Ich würde meinen Töchtern abraten, einen dieser zwei Berufe zu wählen.» Denn bei der Bank sei die KI oft besser im Infos zusammentragen, in welchen Fonds man investieren solle. Und Anwälte arbeiteten sich durch riesige Datenberge und Dokumente, das könne die KI schneller.
Therapie mit KI
Manche Menschen setzten KI als Berater, Ratgeber und sogar Therapeut ein: Aber aufgepasst: «Die KI hat kein Gewissen, keine Verantwortung und kennt keine Konsequenzen.»
Andy Kutter warnte davor, der KI zu viel Privates preiszugeben. Er sah die Gefahr auch darin, dass Menschen durch die KI verlernten, konfliktstark zu sein. Der Chat gebe Zuwendung und lasse sich gegen Einsamkeit nutzen, sei immer verfügbar.
Wichtig für ihn: Wie bleiben wir handlungsfähig? Statt Panik plädiert er für breite Aufklärung, klare Regeln und eine Kennzeichnungspflicht von KI-generierten Bildern, Videos und Beiträgen. Sowie eine klare Verantwortung: Wer haftet bei KI-Schäden? Er forderte die Zuhörer auf, kritisch zu bleiben und beispielsweise Informationen durch zwei Quellen zu prüfen. Sowie KI als Werkzeug zu benutzen und nicht mit ihr das Denken zu ersetzen. Eine Frau im Publikum wollte wissen, wie sie ihren Kindern erklären soll, was KI ist.
Andy Kutter meinte, es sei wichtig, Kinder und Jugendliche über die Gefahren und Chancen aufzuklären. Er empfahl auch, Kinder so lange es geht von Smartphones und Co. fernzuhalten: «Apps sind darauf ausgerichtet, das Belohnungssystem im Gehirn anzuregen, das macht süchtig.»
Am Ende seines Vortrags und der Fragerunde war es Andy Kutter gelungen, die Zuhörer nicht mit einem schlechten Gefühl zu entlassen, sondern mit einem kritischen Bewusstsein für KI.
Text und Bild: Elke Reinauer