Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 04.02.2026

Ein freundlicher Ort von Kultur mit Austausch und Begegnung

Nuur Moschee, Wigoltingen Neujahrsempfang zum 20 Jahr-Jubiläum

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinschaft in Häusern in der Gemeinde Wigoltingen möchte Brücken bauen und tat dies anlässlich des Jubiläums in einer herzlichen Atmosphäre mit zahlreichen Mitgliedern und Gästen.

 

 

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine internationale Reformbewegung im Islam, die seit ihrer Gründung 1889 existiert. Die Mahmud Moschee in Zürich wurde 1963 eröffnet. Die Wigoltinger Nuur Moschee wird seit Mitte der 2000er Jahre als Gemeindezentrum genutzt.
Es leicht, mit dem Auto an der Nuur Moschee vorbeizufahren, ohne zu ahnen, welche Geschichte sich hinter dem schlichten Gebäude verbirgt. Seit 20 Jahren ist sie im Ortsteil Häusern ein fester Bestandteil der Politischen Gemeinde Wigoltingen. Die Nuur Moschee ist ein Gebetsort, Treffpunkt, Dialograum und eine Brücke zwischen den Kulturen. Am Samstagabend fand in der Nuur Moschee ein Neujahrsempfang mit Nachbarn und geladenen Gästen sowie Politikern statt. Verschiedene Persönlichkeiten traten ans Rednerpult. Walid Tariq Tarnutzer, der Präsident der Mahmud-Moschee in Zürich sprach ein Gebet. Der zum Muslim konvertierte Bündner sagte: «Als die Nuur Moschee Mitte der 2000er-Jahre in Häusern ihren Betrieb aufnahm, war die Skepsis in Teilen der Bevölkerung spürbar.» Eine Moschee auf dem Land, in der Gemeinde Wigoltingen, war für viele neu. Doch die Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat, zu der die Moschee gehört, setzten von Beginn an auf Offenheit statt Abschottung. Türen wurden geöffnet, Gespräche gesucht, Vorurteile abgebaut.


Verwurzelt in der Gemeinde
Heute finden in der Moschee in Wigoltingen regelmässig Gebete sowie gemeinschaftliche Anlässe statt. Besonders wichtig ist der Gemeinschaft der Kontakt zur Nachbarschaft. «Unser Glaube lehrt uns, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, in der wir leben», sagt der Imam, Faiz Khan. Dieses Selbstverständnis zeige sich in der praktischen Arbeit: Informationsveranstaltungen oder Einladungen zu Festen gehören zum festen Jahresprogramm. Viele Besucher kommen aus Neugier und gehen mit neuen Eindrücken nach Hause.


Austausch und Begegnung
Ein zentrales Anliegen der Nuur Moschee ist der Interreligiöse Dialog. Immer wieder finden Begegnungen mit christlichen Kirchgemeinden und politischen Vertretern statt. Themen wie Frieden und Zusammenleben werden offen diskutiert. Dabei stehe das gegenseitige Verstehen im Mittelpunkt. Matthias Loretan vom Interreligiösen Arbeitskreis des Kantons Thurgau sagte: «Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen und Freundschaften vertiefen.» Die Wigoltinger Gemeindepräsidentin Franca Burkhardt sprach von Werten wie Toleranz und dem respektvollen Umgang mit sich selber. Dies bilde die Grundlage, um ein Vorbild für andere Menschen zu sein und Verantwortung zu tragen. Die Gemeindepräsidentin sagte: «2026 sei ein Jahr, um mit gutem Beispiel voranzugehen.»
Gerade in Zeiten, in denen der Islam in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Extremismus in Verbindung gebracht wird, sehen die Verantwortlichen der Moschee ihre Aufgabe darin, ein anderes Bild zu vermitteln. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft distanziert sich klar von Gewalt und betont Werte wie Nächstenliebe, Rechtsstaatlichkeit und Loyalität gegenüber dem jeweiligen Heimatland.


Ein Zuhause für Generationen
Für die rund 1 000 Mitglieder selbst ist die Moschee vor allem eines: ein Zuhause. Hier wachsen Kinder auf. Für ältere Menschen ist sie ein Ort der Ruhe und des Austauschs. Viele Familien sind seit der Gründung dabei und haben den Wandel der Moschee miterlebt, von den ersten bescheidenen Anfängen bis zur heutigen festen Struktur. Die Moschee gebe Halt, sagt eine Besucherin. Nicht nur religiös, sondern auch menschlich.


Toleranz leben
Nach 20 Jahren blickt die Nuur Moschee Wigoltingen nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Die Herausforderungen bleiben: gesellschaftliche Spannungen, religiöse Missverständnisse, die Frage, wie junge Menschen langfristig eingebunden werden können. Die Gemeinschaft zeigt sich zuversichtlich. Das Jubiläum ist ein Zwischenhalt. Es ist ein Moment des Innehaltens und der Dankbarkeit. Dankbarkeit für Akzeptanz, für Beziehungen, die wachsen, für die Möglichkeit, den eigenen Glauben in Frieden leben zu dürfen. Die Gäste haben ein Geschenk für die Mitglieder mitgebracht, von Kantonsrat und GLP Thurgau Präsident Stefan Leuthold kommt ein Thurgauer Apfelgebäck. Stefan Leuthold sprach über den «Ausdruck von Offenheit und dem gegenseitigen Respekt.» Frieden bedeute Verantwortung übernehmen oder wie es die Gemeinschaft in Häusern erklärt: «Liebe für alle, Hass für keinen». Dieses Bekenntnis seien auch seine Werte, sagte Stefan Leuthold weiter. Im Zentrum stehe der soziale Gedanke und er fügt an: «Wir wollen den sozialen Kitt stärken».
Präsident Tarnutzer brachte es mit dem Weltgeschehen auf den Punkt: «Wir leben in einer Zeit grosser Unsicherheit und der Ungleichheit.» Es gehe darum, den Frieden in allen sozialen Schichten zu fördern.
Ahad Butt moderierte den Anlass mit rund 80 Teilnehmenden. Die Männer und Frauen sassen getrennt an den gedeckten Tischen, nur einige Gästetische waren gemischt. Auch die Stellung der Frauen in muslimischen Ländern war thematisiert. Unterdrückung sei unmenschlich, sagten einige Frauen. Der Islam lehre eine gute Erziehung und Bildung für Mädchen und Frauen. In Wigoltingen ist die Nuur Moschee bekannt als ein religiöses Gebäude. Sie ist auch stiller Beweis dafür, dass Zusammenleben gelingen kann, um einander zuzuhören. Die Nachbarn taten es, auch die Gäste fühlten sich wohl inmitten von Gastfreundschaft, Gespräch und einem sehr guten Essen.


 Text und Bild: Manuela Olgiati