Frauenfeld · 04.02.2026
Wenn der Wald zum Dorfplatz wird
Holzgant in Neunforn
Auf Einladung der Politischen Gemeinde Neunforn fand am Samstagnachmittag die traditionelle Holzgant statt. Im Wald an der Strasse zwischen Oberneunforn und Gisenhard kam das fein säuberlich aufgeschichtete Holz unter den Hammer. Der Anlass war gut besucht.

Ein kalter Tag beginnt. Doch bei trockenen Temperaturen im Wald bei Neunforn herrscht bereits Wärme. Eine Wärme die entsteht, wenn Menschen zusammenkommen, wenn die Holzgant stattfindet. Seit über 50 Jahren oder mehr ist diese Veranstaltung ein fester Termin im Dorfkalender. Die Holzgant ist ein beliebter Treffpunkt, ein Stück Tradition und ein praktischer Winterdienst zugleich.
Bereits am Mittag stehen die Besucherinnen und Besucher zur Wurst vom Grill an. Die Besucherinnen und Besucher aus der Gemeinde Neunforn tragen warme Jacken und robuste Schuhe. Kinder stapfen zwischen den Holzstapeln umher, Erwachsene begrüssen sich wie alte Freunde. Der Waldweg ist gesäumt von ordentlich geschichteten Holzpaketen. Jede Menge Brennholz, bereit für die Versteigerung. Es wirkt wie ein grosser Markt aus Holzbeständen. Hier gibt Gemeinderat Florian Koch als Gantrufer den Ton an.
Um 12 Uhr beginnt die Festwirtschaft im Wald. Manche trinken Kaffee, andere halten eine Flasche Bier in der Hand. Für viele ist das Essen der Auftakt für einige gemütliche Stunden im Wald. Es gibt Gespräche unter Waldbesitzern, über das Wetter, die letzten Wochen und den Heizbedarf im eigenen zuhause. Wer kein Holz kaufen will, ist trotzdem dabei, denn die Holzgant ist mehr als eine Auktion, sondern mehr Dorffest.
Gegen 13.30 Uhr wird es dann ernst unter den rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der «Gantrufer» übernimmt die Bühne. Mit lauter Stimme ruft er die Nummern der Holzpakete aus, erklärt kurz die Menge und beginnt die Versteigerung. Florian Koch sagt: «Mit dabei ist viel Buchenholz, Eiche, auch etwas Lindenholz.» Klar ist auch Föhrenholz dabei, welches bezeichnend für die Region und sehr beliebt ist. Die Hände schnellen nach oben, Bieter rufen Preise, und immer wieder schwappt ein Lachen durch die Menge. Es ist ein Ritual, das sich über Jahre eingeprägt hat: Ein kurzer Schlagabtausch, ein humorvoller Kommentar aus der Menge, ein knapper Blick zwischen Bietern und dann fällt der Zuschlag. Das Holz wechselt den Besitzer, und der nächste Ster wird aufgerufen. Ein Besucher sagt: «Die Preise sind mit einigen hundert Franken hoch veranschlagt.» Die Differenz vom Anschlagspreis von 80 oder 90 Franken übersteigt den Kaufspreis manchmal um das Doppelte oder mehr. Ein erfahrener Mitbieter und ein Waldbesitzer von mehreren Hektar Wald, schaut die Gant von der spielerischen Seite an und testet etwas aus, um die Preise in die Höhe zu treiben.
Anschlags- und Kaufspreis
Die höchste Differenz von einigen hundert Franken erzielte Marco Meyer, ein Käufer von mehreren Ster Holz, der schliesslich einen Ster Föhrenholz als Geschenk obendrauf nach Hause führen darf. Was auf den ersten Blick wie ein einfacher Verkauf wirkt, ist in Wahrheit ein Spiegelbild der Dorfkultur. Denn die Holzgant verbindet das Nützliche mit dem Geselligen. Mit dem Holz, das hier ersteigert wird, werden Öfen und Kamine der Region beheizt. Es ist ein Stück Winterversorgung, das die Menschen direkt im Wald organisieren. Doch genauso wichtig ist die Gemeinschaft, die dabei entsteht: Nachbarn, die sich sehen, Familien, die gemeinsam teilnehmen, Menschen, die sich austauschen und zusammen lachen. «Man kennt sich hier», nickt einer. Die Stimmung bleibt trotz Kälte warm. Zwischen den Holzstapeln gibt es kurze Gespräche, Kinder spielen, und ältere Besucher erzählen von früheren Holzganten. Als der letzte Holzstoss versteigert ist, ist der Wald noch immer lebendig. Denn schliesslich steht noch eine Attraktion bevor.
Hürlimann Traktor versteigert
Florian Koch hatte es angekündigt, der älteste Hürlimann Traktor im Kanton Thurgau, Jahrgang 1965, soll versteigert werden. Seit Jahren hat der Traktor im Werkhof gute Dienste geleistet. Der Gantrufer diskutiert die technischen Details. Das ausrangierte Kommunalfahrzeug weist nur äusserlich einige Gebrauchsspuren auf, noch gut erkennbar ist die typisch rote Farbe. Und Werkhofmitarbeiter Sandro Burri versicherte, dass der Traktor funktionstüchtig sei, denn erst im Dezember 2025 führte das Strassenverkehrsamt eine Inspektion durch. «Alles im grünen Bereich.» Mit dem Anschlagspreis von 2000 Franken begann das Bieterspektakel. Hände schnellen wieder in die Höhe. Für 2600 Franken geht nun der Traktor an den glücklichen Besitzer Matthias Hagen. Das Fahrzeug soll auf Hagens Hof leichten Anforderungen genügen. Matthias Hagen verspricht: «Ich will meinen Kindern ein bisschen Technik zeigen.»
Anschliessend an diese zweite erfolgreiche Gant verweilen die Gäste noch, trinken einen letzten Kaffee, und machen sich auf den Heimweg. Und so endet der 31. Januar in Neunforn nicht einfach mit dem Ende der Holzgant. Er endet mit dem Gefühl, Teil von etwas zu sein, das grösser ist als ein einziger Tag: Es ist eine gelebte Tradition, von Menschen gemacht.
Text und Bild: Manuela Olgiati