Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 18.02.2026

Lukas Britschgi verpasst ein Olympia-Diplom schon früh

Lukas Britschgi vom Eissport Club Frauenfeld hat sich an den Olympischen Winterspielen in Italien ein besseres Resultat erhofft als Platz 14. Schon im Kurzprogramm (19.) lief es ihm nicht nach Wunsch. Noch härter traf es allerdings die absoluten Superstars.

 

 

Bei seiner Olympia-Premiere vor vier Jahren in Peking schaute für den international noch wenig bekannten Lukas Britschgi Rang 23 heraus. Dazwischen liegen nun allerdings ein achter (2023) und ein sechster (2024) WM-Platz sowie der unerwartete Europameister-Titel 2025 und jetzt anfangs Jahr verpasste er als Vierter die Medaillen knapp.
Im Hinblick auf Olympia arbeitete er nach der EM drei Wochen hart und gab sich optimistisch: «Vor allem physisch habe ich viel gemacht. Auch psychisch bin ich fast an meine Grenzen gelangt. Wenn ich punktemässig eine Bestleistung abliefern kann, sollte ein Diplom in Reichweite sein. Ich muss einfach aufpassen, dass ich mir nicht selber zu viel Druck mache».


Erstes Element verpatzt
Aber genau das ist offensichtlich passiert. Im Kurzprogramm konnte der Schaffhauser schon in der ersten Figur einen Sturz nur knapp vermeiden. Genau dieses Prozedere hatte er mit seinem Trainer Michael Huth im Vorfeld besprochen. Wenn das passiert, kommt Plan B zur Ausführung. Der 27-Jährige baute diese nicht gelungene Vierfach-/Dreifach-Sprungkombination einfach später in sein Programm – das er recht sauber zu Ende brachte – ein. Trotzdem schauten lediglich 80,87 Punkte heraus, das sind vier Zähler weniger als bei seinem Bestwert. Sein Kommentar danach beim Schweizer Fernsehen: «Ich war zu zögerlich. Dieser Fehler darf mir nicht passieren. Es stinkt mir langsam, dass ich nicht richtig performen konnte. Nun muss ich in der Kür wieder von hinten angreifen».


Sämtliche Favoriten patzten
Der Freitag der 13. stürzte allerdings praktisch sämtliche Favoriten in der Kür-Topgruppe ins totale Elend. Am schlimmsten traf es den designierten Olympiasieger Ilia Manin, der als klar Führender sogar noch auf Rang acht zurückpurzelte. Der Amerikaner fiel gleich mehrfach hin. Als einziger blieb der Kasache Michail Schaidorow fehlerfrei und rückte von fünf auf eins vor und konnte sein Glück kaum fassen. Als 19. im Kurzprogramm musste Lukas Britschgi schon in der ersten der vier Gruppen aufs Eis, wo die Jury im Vergeben der Punkte meist noch sehr zurückhaltend agiert. Trotzdem generierte er 165,77 Punkte, das sind fünf Zähler weniger als seine Bestleistung.


Von 19 noch auf 14
Das Motto für die Kür konnte bei Lukas Britschgi nur heissen: Angriff total. In Erinnerung an die Europameisterschaft 2025, als er von Platz acht sogar auf die eins vorrückte. Der Schaffhauser bewies einmal mehr sein grosses Kämpferherz und stiess so von 19 noch auf Rang 14 vor. Und das mit einer äusserst soliden und mutigen Darbietung. Nur der Dreifach-Lutz gelang ihm nicht nach Wunsch.
Ansonsten lief er beinahe perfekt, was das Publikum mehrfach mit tosendem Applaus belohnte. «Mit meiner Kür-Darbietung kann ich sehr zufrieden sein. Ich konnte die super Atmosphäre im Stadion geniessen,» meinte er danach. Was wäre wohl mit einer normalen Leistung im Kurzprogramm möglich gewesen? Vermutlich das so sehr erhoffte Olympia-Diplom.
Etwas zu feiern hatte am gestrigen 17. Februar Lukas Britschgi trotzdem: Er wurde 28 Jahre alt. Und jetzt folgen noch seine Auftritte bei Art on Ice. 


Text: Ruedi Stettler
Bild: Ih