Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 01.04.2026

Wenn die Wirklichkeit zum Modell wird

Smilestones eröffnet neuen Standort im Rhyfall Village

Wer aus der neuen Miniaturwelt Smilestones ins Freie tritt, erlebt einen Moment der Verwirrung: Der echte Kirchturm von Neuhausen wirkt plötzlich wie ein Modell. Die Realität erscheint für einen Augenblick selbst wie eine Miniatur. Genau das ist die Magie, die am vergangenen Samstag bei der Wiedereröffnung von Smilestones im Rhytech im Rhyfall Village in Neuhausen am Rheinfall spürbar wurde.

 

 

Nach Monaten der Schliessung strömten die Besucher in die neuen, hellen Räume. Was sie vorfanden, ist mehr als die Schweiz im Kleinformat. Es ist eine zweite Welt, die einen verzaubert. Kinder und Erwachsene drängten sich um die Modelle und entdeckten die kleine Schweiz.


Eine Reise ohne Zugticket
Die Anlage zeigt den Kanton Schaffhausen, das Berner Oberland sowie das Appenzeller Land. Eine Reise durch die Schweiz, ganz ohne Zugticket. Das Appenzeller Land hat insbesondere eine Geschichte zu erzählen: Es ist geteilt. Nicht aus politischen Gründen, sondern aus der Notwendigkeit, die Miniaturwelt zu verlegen und die Landschaft für den Transport zu zersplittern.
Am Eröffnungstag lief ein Film über den Umzug und Aufbau. Smilestones hatte nicht geplant zu zügeln. Die Sanierung des bisherigen Gebäudes am Industrieplatz machte den Umzug jedoch notwendig.


Wenn der Staubsauger fährt
120 Zugkompositionen fahren gleichzeitig durch die Landschaft. Alle zwei Minuten müssen sie aus technischen Gründen pausieren, wie eine Mitarbeiterin erklärt. Auch faszinierend: Der Staubsauger-Zug sorgt dafür, dass die Schienen staubfrei bleiben. Denn obwohl es Modelloberleitungen gibt, kommt der Strom von den Schienen.
Was für Kinder das absolute Highlight ist: die Lindt-Schokoladenfabrik. Hier werden tatsächlich Mini-Lindtkugeln gefertigt, die unten aus der Produktionsstrasse rollen. Echte Schokolade, echter Produktionsprozess, nur eben in Miniatur. Erwachsene hingegen verlieren sich in den detailverliebten Landschaften, entdecken winzige Szenen, Menschen oder Kühe auf Alpweiden.
Dann wird es dunkel. Die Beleuchtung dimmt, es wird Nacht in der Miniaturwelt. Häuser leuchten zu verschiedenen Zeiten auf, Strassenlaternen gehen an, in Fenstern flackert Fernseherlicht. Der Tag-Nacht-Rhythmus macht die kleine Welt noch lebendiger. Plötzlich hat man das Gefühl, die Miniaturbewohner würden gleich zu Bett gehen.


Blick hinter die Kulissen
Wer wissen will, wie diese Welt entsteht, konnte am Eröffnungstag auch einen Blick ins Atelier werfen. Hier werden die Modelle zusammengebaut und repariert. Fünf Monate Vorbereitung steckten im Umzug. Module wurden auf Rollwagen gesetzt, mit Spanplatten gesichert per Kran auf Sattelschlepper verladen. In mehreren Nächten im Dezember 2025 rollten die Schwertransporte durch Neuhausen.
Das neue Gebäude im Rhyfall Village bietet nicht nur modernere Räume, sondern auch Platz für Erweiterungen. Die Miniaturwelt kann wachsen, neue Regionen können hinzukommen. Nach 64 000 Besuchern im Jahr 2025, einem Rekord, setzt Smilestones auf weiteres Wachstum. Als zweitstärkster Besuchermagnet der Region Schaffhausen nach dem Rheinfall hat die Anlage sehr viel Potenzial.
Und dann dieser Moment beim Verlassen: Man steht draussen, sieht den Kirchturm, die Häuser, die Strasse. Und fragt sich kurz, ob man nicht immer noch in der Miniaturwelt steht. Dieser Perspektivwechsel ist vielleicht das grösste Geschenk, das Smilestones seinen Besuchern macht: die Welt mit anderen Augen zu sehen.


Text und Bild: Elke Reinauer