Frauenfeld · 08.04.2026
Mehr Kameras für die Stadtkaserne
Seit der offiziellen Eröffnung der Stadtkaserne im Frühjahr 2025 hat sich das ehemalige Militärareal zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, mit Kaffeerösterei, Tanzraum, Ateliers, Bars und einem abwechslungsreichen Veranstaltungskalender. Doch mit der Belebung kamen auch Schattenseiten: Diebstähle, Sachbeschädigungen, körperliche Auseinandersetzungen. Der Stadtrat reagierte und baute die Videoüberwachung mit fünf zusätzlichen Kameras aus. Die Kosten dafür belaufen sich auf 15 800 Franken.

Die Kameras decken den Innenhof, und die Zugänge Nord und Süd in Richtung Oberes Mätteli ab. Installiert werden sie von zwei ortsansässigen Unternehmen: der Siedler Alarm GmbH, zuständig für die Kamerasysteme, und der Habersaat AG, die sich um die Netzwerk- und Elektroinstallationen kümmert. Beide betreuen bereits die bestehende Anlage. Die Integration ins bestehende System halte die Kosten tief, schreibt der Stadtrat, im Budget 2026 waren ohnehin bereits 20 000 Franken für diesen Zweck vorgesehen.
Der Beschluss ist datiert auf den
3. März 2026. Dabei ist die Stadtkaserne kein unbeschriebenes Blatt, was Videoüberwachung betrifft. Bereits im Dezember 2024 hatte der Stadtrat Kameras beim Haupteingang und im Bereich des unteren Grabens installieren lassen. Der Grund: Nach dem Auszug der Armee 2024 war das Areal zeitweise verwaist, und in den dunklen Ecken rund um den Unteren Graben häuften sich Vandalismus und Littering. Die Kameras zeigten Wirkung. Die Probleme in diesem Bereich liessen nach.
Doch seit der Belebung ab Mai 2025 registrieren Projektleitung und Mieter Vorfälle nun schwerpunktmässig im Kasernenhof und bei den Ein- und Ausgängen zur Kaserne, heisst es von der Stadt. Das Muster ist bekannt: Problem ist erkannt, Kamera bereits installiert, aber das Problem verlagert sich.
Prävention ist wichtig
Stadtpräsident Claudio Bernold gibt sich offen. Auf Anfrage der Frauenfelder Woche schreibt er: «Selbstverständlich gewährleisten Überwachungskameras keinen allgemeinen Schutz davor, dass es nicht zu einer Verlagerung kommt.» Man wolle dennoch an denjenigen Orten, die der breiten Öffentlichkeit offenstehen, ein sicheres und attraktives Umfeld bieten, und die Kamera wirke in erster Linie präventiv. Kameras allein sind nicht die einzige Massnahme. Die Stadtkaserne verfügt über eine ausgeschilderte Hausordnung, ein Sicherheitsdienstleister übernimmt die Schliesskontrolle, und die Kantonspolizei wird punktuell beigezogen, heisst es von der Stadt. Warum dennoch wieder Kameras? Die Verstärkung von Patrouillen verschlinge personelle und finanzielle Ressourcen, und sie erreiche den angestrebten Zweck nur in Teilen. Kameras seien dauerhafter, niederschwelliger und günstiger, heisst es von Claudio Bernold.
So wenig wie möglich
Die rechtliche Grundlage bildet das städtische Videoreglement von 2009. Es legt fest, dass Videoaufnahmen ausschliesslich zur Verhinderung und Ahndung von strafbaren Handlungen sowie zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit eingesetzt werden dürfen. Ausdrücklich nicht erlaubt ist eine flächendeckende Überwachung des öffentlichen Raums. Der Stadtrat betont, die neuen Standorte seien so gewählt worden, dass «so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich» überwacht werde. Die Daten landen auf einem physisch isolierten Server der städtischen Informatik und werden nach spätestens 20 Tagen automatisch überschrieben. Ausgewertet werden sie nur auf Anweisung der Staatsanwaltschaft.
Die Pioniernutzenden der Stadtkaserne wurden am 3. Februar 2026 über die geplante Erweiterung informiert. Einwände gab es keine.
Nicht alle in der Stadt teilen die Begeisterung für mehr Kameras im öffentlichen Raum. Bei der Budgetdebatte hatte Links-Grün einen Streichungsantrag für mehr Videoüberwachung eingebracht. Vergebens, denn die bürgerliche Mehrheit setzte sich durch. Auf dem gesamten Stadtgebiet gibt es mittlerweile rund ein Dutzend Standorte mit knapp 50 Überwachungskameras, von der Kleinen Allmend über den Murg-Auen-Park bis zum Bahnhof, und neuerdings eben auch in der Stadtkaserne.
Ob die Kameras das Problem lösen oder nur erneut verschieben, wird sich zeigen. Vorerst jedenfalls blicken in der Stadtkaserne Frauenfeld bald noch mehr Linsen auf Kasernenhof und Zugänge. Wo genau, wird auf der Homepage der Stadt publiziert.
Text und Bild: Elke Reinauer