Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 06.05.2026

Wasser wird teurer

Gemeindeversammlung Aadorf

Am Mittwochabend, 29. April, entschieden die Stimmbürger an einer ausserordentlichen Versammlung im Gemeinde- und Kulturzentrum über die künftigen Wassertarife in Aadorf. Mehrheitlich votierten die Stimmbürger für die Erhöhung des Wasserpreises von 1.20 auf 1.80 Franken, dieser wird ab 1. Januar 2027 gelten. Die Grundgebühr wird von 260 auf 300 Franken erhöht.

 

 

Was bisher geschah: Es war ein seltener Vorgang in der Thurgauer Gemeindepolitik. Über 1116 Aadorferinnen und Aadorfer hatten mit ihrer Unterschrift ein Referendum erzwungen, fast das Sechsfache der erforderlichen Anzahl. Peter Bühler, Roland Gahlinger, Andreas Siegrist, Markus Büsser, Ueli Graf und Roland Lienhard sammelten die Unterschriften und überreichten sie dem Gemeinderat. Ihr Ziel: Die geplante Verdopplung der Wasserpreise zu stoppen.
Ursprünglich hatte der Gemeinderat vorgesehen, die Verbrauchsgebühr per Januar 2026 von 1.20 Franken auf 2.40 Franken pro Kubikmeter anzuheben. Kritiker aus den Reihen von EDU, SVP und Mitte sprachen von einer «Schocktherapie» und warfen der Behörde vor, notwendige Anpassungen jahrelang verschleppt zu haben. Der Druck zeigte Wirkung: In Verhandlungen mit dem Referendumskomitee ruderte der Gemeinderat zurück. Zur Abstimmung gelangte schliesslich ein Kompromissvorschlag von 1.80 Franken pro Kubikmeter. Immer noch eine Steigerung um 50 Prozent, aber deutlich moderater als der ursprüngliche Entwurf.
Zu Beginn der Gemeindeversammlung, zu der am Mittwochabend 217 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger erschienen waren, erläuterte Gemeindepräsident Matthias Küng die Lage und ging auf die Vorgeschichte ein.
Seit 2021 verzeichne das EW Aadorf Verluste. Eine Anpassung der Gebühren sei immer wieder aufgeschoben worden, als Gründe nannte Küng unter anderem die Coronapandemie und die Steuerfusserhöhung. Auf die Frage, warum die Erhöhung nicht stufenweise erfolgt sei, antwortete er: «Dann hätte man uns Salamitaktik vorgeworfen.» Er betonte, dass der Gewinn aus anderen Sparten nicht zur Deckung der Wasserversorgungskosten verwendet werden dürfe. Auch wenn die Erhöhung heute angenommen werde, steige die Verschuldung um weitere 1,8 Millionen Franken. Ohne die vorgeschlagene Anpassung würde das EW in einigen Jahren an die Schuldenobergrenze stossen. Küng veranschaulichte die Auswirkungen an einem Beispiel: Eine vierköpfige Familie zahle künftig 624 Franken pro Jahr statt bisher 476 Franken. «Wir sind der Meinung, dass wir einen guten Kompromiss gefunden haben», schloss er.


Die Debatte
Ein Votant meldete sich mit dem Einwand zu Wort, die Preisgestaltung überzeuge ihn nicht. Wasser sei ein Grundrecht, deshalb sollte der Grundbedarf günstiger sein. Küng entgegnete, der Schweizer Fachverband empfehle, die Grundgebühr auf 50 bis 80 Prozent des Gesamttarifs anzusetzen. Man liege damit unter dieser Empfehlung.
SVP-Vertreter Ueli Wolf, der gemeinsam mit anderen Parteien das Referendum ergriffen hatte, begrüsste die Diskussion vom 7. Januar als konstruktive Grundlage. Er gab aber zwei Punkte zu bedenken: Grossverbraucher wie Landwirte kämen mit dem neuen Tarif schlechter weg, und bei den geplanten Investitionen sollte Mass gehalten werden. «Der Kompromiss ist nicht schlecht. Aber Grossverbraucher sollte man separat behandeln», so Wolf. Küng antwortete, Investitionen würden nach Dringlichkeit priorisiert. Viele Leitungen stammten noch aus den 1970er-Jahren und müssten bei Problemen ersetzt werden. Die Investitionen seien finanziell vertretbar.
Ein weiterer Stimmbürger wollte wissen, warum beim Wasser keine Querfinanzierung möglich sei. Küng erklärte: Gebühren seien zweckgebunden und dürften nicht mit Gewinnen aus anderen Sparten verrechnet werden. Dies sei rechtliche Grundlage.
Nicht um Gebühren, sondern um die Wasserqualität ging es einem anderen Votanten. Er wies auf erhöhte Nitratwerte im Trinkwasser von Guntershausen hin: 65 Milligramm pro Liter, nach Messungen. Die Einstufung als «Mineralwasserqualität» sei irreführend, er forderte einen konkreten Massnahmenplan. Küng bestätigte, man stehe im Kontakt mit der Landwirtschaft und befasse sich mit dem Thema, habe aber noch keine Lösung. Eine Votantin aus Guntershausen ergänzte die Sorge um den Pestizideinsatz auf umliegenden Feldern. Küng verwies auf strenge Vorgaben für die Landwirtschaft, ein Gemeinderat präzisierte, das betreffende Feld zwischen Aadorf und Guntershausen werde mit Herbiziden bewirtschaftet.
Vor der Abstimmung dankte EDU-Kantonsrat Andreas Siegrist dem Gemeinderat und allen Unterzeichnenden für die gemeinsame Lösungsfindung. Bei der Abstimmung sprachen sich 15 Stimmbürger gegen die Erhöhung der Grundgebühr aus, 30 gegen die Anpassung des Kubikmeterpreises.


Verschiedenes
Am 27. September stimmen die Aadorferinnen und Aadorfer über den Baukredit für ein neues Feuerwehr- und EW-Gebäude ab. Veranschlagt sind 18,9 Millionen Franken, die genauen Kosten sollen im Laufe des Monats bekannt gegeben werden. 


Text: Elke Reinauer
Bild: Envato/africaimages