Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 06.05.2026

Brückenbauerin der Thurgauer Wirtschaft

Interview – FDP-Nationalrätin Kris Vietze will Thurgauer Ständerätin werden

Die FDP.Die Liberalen Thurgau möchte bei den nationalen Wahlen vom 24. Oktober 2027 einen der beiden Thurgauer Ständeratssitze erobern und schickt dazu die Frauenfelder FDP-Nationalrätin Kris Vietze ins Rennen. Die 57-Jährige wurde an der Delegiertenversammlung von Ende April einstimmig nominiert. 

 

 

Die beiden Thurgauer Ständeratssitze haben derzeit Jakob Stark (SVP, Buhwil) und Brigitte Häberli-Koller (Mitte, Bichelsee) inne. Brigitte Häberli-Koller hat angekündigt, 2027 nicht mehr zu kandidieren. Der 67-jährige Stark hat diese Frage noch nicht öffentlich beantwortet. Kris Vietze gilt als vielversprechende und anerkannte Kandidatin über die Parteigrenzen hinaus als Brückenbauern der Wirtschaft, liberale Denkerin, Unternehmerin und Finanzexpertin. Sie wird sowohl für den Ständerat als auch für den Nationalrat kandidieren. Parteikollege Kantonsrat Markus Bürgi wird wie folgt zitiert: «National- und Ständerat sind seit einiger Zeit unfähig, Lösungen für die anstehenden Probleme und Fragestellungen der Schweiz zu erarbeiten. Wir brauchen Parlamentarierinnen und Parlamentarier wie Kris Vietze, die pragmatisch und ohne Scheuklappen an Lösungen arbeiten wollen. Der Ständerat muss wieder zur chambre de réflexion werden, weshalb Kris mit ihrer offenen und lösungsorientierten Art dorthin gehört.»
Im Interview mit der Frauenfelder Woche spricht Kris Vietze von der Bedeutung ihres Wohnort und ihrem Wirken in Bundesbern.


Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Anliegen in Bern gehört werden?
Kris Vietze: Mir ist wichtig, dass ich den Thurgau so vertrete, wie wir hier sind: Bodenständig, verlässlich und lösungsorientiert. In Bern geht es viel um Beziehungen und Vertrauen. Wer zuhört, dranbleibt und Brücken baut, wird auch gehört. Genau das entspricht meiner Art. Ich bin ständig im Gespräch mit den Menschen bei uns, um zu erfahren, was die Leute im Alltag beschäftigt. Und das nehme ich mit nach Bern.


Welche Begegnungen haben Sie besonders geprägt?
Kris Vietze: Eigentlich ist es genau das: Dass man sich hier noch begegnet – auf der Strasse, im Laden oder am Wochenende. Dieser Austausch, oft ganz spontan, ist mir wichtig. Ich bin in Matzingen und Frauenfeld aufgewachsen. Man kennt sich, man spricht miteinander – auch wenn man nicht immer gleicher Meinung ist. Dieses respektvolle Miteinander hat mich geprägt. Politik ist für mich deshalb nichts Abgehobenes. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Das habe ich hier gelernt.


Welche lokalen Themen vertreten Sie?
Kris Vietze: Unsere Region hat ihre eigenen Herausforderungen, und die müssen in Bern gehört werden. Als Grenzregion sind wir bei Verkehr, Sicherheit und wirtschaftlichen Fragen besonders betroffen. Da braucht es eine Stimme, die hinschaut und sich einsetzt. Mir geht es darum, dass der Thurgau nicht einfach mitläuft, sondern seine Interessen selbstbewusst einbringt.


Welches ist Ihr Lieblingsort in Frauenfeld?
Kris Vietze: In Frauenfeld sind wir verwöhnt mit schönen Orten! Ich nutze jede Gelegenheit, draussen zu sein – sei es für einen kurzen Spaziergang oder einfach, um den Kopf frei zu bekommen. Das hilft mir, Dinge wieder klarer zu sehen. Ich bin zum Beispiel sehr gerne im Obholz unterwegs. Von dort hat man diesen schönen Blick über die Stadt – und merkt, wie gut wir es hier haben. Diese Mischung aus Natur und Alltag gefällt mir sehr.


Wie kann Frauenfeld als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig bleiben?
Kris Vietze: Ich glaube, wir müssen das bewahren, was Frauenfeld stark macht: Eine hohe Lebensqualität und gleichzeitig gute Bedingungen zum Arbeiten. Dazu gehören funktionierende Infrastruktur, gute Schulen und ein sicheres Umfeld. Aber auch Verlässlichkeit in finanziellen Fragen - für Unternehmen genauso wie für die Menschen, die hier leben. Wenn das zusammenpasst, bleibt ein Standort attraktiv.


Wie bleibt Frauenfeld attraktiv?
Kris Vietze: Für mich liegt die Stärke von Frauenfeld im Alltag. Dass die Kinder gute Schulen haben, dass man schnell im Grünen ist, dass es alles hat, was man zum Leben braucht und sich trotzdem alle Möglichkeiten offenhalten kann, weil wir geographisch sehr gut liegen. Diese Balance ist nicht selbstverständlich. Aber genau sie macht Frauenfeld für viele Menschen so lebenswert. Damit das so bleibt und sich die Menschen bewusst für Frauenfeld entscheiden – müssen wir genau diese Stärke weiter pflegen: Ein funktionierendes Umfeld, in dem man sich zuhause fühlt. Denn Attraktivität entsteht durch einen funktionierenden Alltag.


Welche Wünsche sind offen?
Kris Vietze: Ich wünsche mir, dass wir uns als Gesellschaft nicht auseinanderziehen lassen. Dass wir im Gespräch bleiben, auch wenn wir unterschiedlich denken. Mir ist wichtig, dass man einander ernst nimmt, auch wenn man nicht gleicher Meinung ist. Denn am Ende wollen die meisten doch das Gleiche: Ein gutes Leben für sich und ihre Familie. Oder einfach gesagt: Zusammenhalt entsteht dort, wo man einander zuhört.


Herzlichen Dank für das Interview. Wir wünschen viel Erfolg.


Interview: Manuela Olgiati
Bild: zvg