Frauenfeld · 01.07.2026
Ein Wald aus Buchseiten, blaue Kirschen und aussterbende Tiere
Beim 18. Frauenfelder Kunst-tag in der Festhalle Rüegerholz zeigten Künstler aus Frauenfeld und der Region, was Geduld und Fantasie aus Glas, Papier und Farbe machen können.

Von der Hitze liessen sich die Besucherinnen und Besucher nicht abhalten, mit den Künstlern und Ausstellern ins Gespräch zu kommen und ihre Werke zu bestaunen. Neu mit dabei war Rahel Gubler, die jüngste Künstlerin am diesjährigen Kunst-tag. Ihre Mutter habe sie zur Teilnahme überredet, erzählte Organisator Peter Guarisco. Die junge Frauenfelderin macht eine Lehre als Buchhalterin und malt in ihrer Freizeit aussterbende Tierarten mit Acrylfarbe auf Glas. Ein Nashorn liess sich so bestaunen, ebenso eine bedrohte Antilopenart und viele weitere. Vielleicht widmet sie ihre nächsten Bilder der Formel 1, verriet Gubler, ganz sicher sei sie sich aber noch nicht. Über ihre ersten verkauften Werke freute sie sich besonders. «Damit habe ich gar nicht gerechnet», sagte sie.
Verkaufen und ins Gespräch kommen
Peter Guarisco sieht im Kunst-tag vor allem eine Chance für die Künstler selbst. Sie könnten ihre Werke verkaufen und auch miteinander ins Gespräch kommen, sagt er. Ein wunderschöner Austausch entstehe dabei jedes Jahr von Neuem. Seine Frau und Mitorganisatorin Sabina beobachtete am Samstag zuvor den Aufbau der Stände. Wie die Halle langsam bunt wurde, fand sie spannend, ebenso die Arbeit, die hinter jedem einzelnen Werk steckt.
Wie viel Arbeit das sein kann, zeigte der Pavillon von Daniela Sprenger aus Wängi. Aus zahlreichen Girlanden aus Buchseiten gestaltete sie einen «Wald der Erinnerung», die Girlanden hingen von einer mit Tuch bespannten Decke. Sprenger bietet auch Trauerbegleitung an und stellte im Pavillon verschiedene Erinnerungsgegenstände aus. So dicht erschien ihr Wald, dass man die Künstlerin darin kaum fand. Acht Helfer standen ihr beim Aufbau zur Seite, nach anderthalb Stunden stand der Pavillon.
Kirschen als Inspiration
Ricardo Carbajal Moss stammt ursprünglich aus Mexiko, seine Frau kommt aus Warth. Seit 21 Jahren lebt er nun dort und malt fotorealistische Bilder. Immer wieder taucht darin eine Kirche auf, mal rot, mal blau gestrichen. Als Student wohnte Ricardo neben einer Kirschbaumfarm in Wisconsin, die Kirschen wurden dort zu Saft verarbeitet, wie er erzählt. Jeden Tag durfte er trotzdem davon essen, das Motiv liess ihn seither nicht mehr los. Im Thurgau mit seinen saftigen Kirschen fühlt er sich deshalb besonders wohl.
Alles aus einer Linie
Selina Fässler aus Kreuzlingen arbeitet als Grafikerin und stellte ihre «On-Line»-Werke aus, Kunstwerke aus einer einzigen gezeichneten Linie. Es gab noch viele andere Kunstwerke zu bestaunen an diesem Tag. Zum Abschluss wählten die Besucherinnen und Besucher wie jedes Jahr ihr Lieblingswerk für den Boesner-Preis. Den ersten Platz holte sich dann Daniela Sprenger.
Text und Bild: Elke Reinauer