Frauenfeld · 08.07.2026
Seltenes Spektakel: Sonnenfinsternis auch in Frauenfeld beobachten
Am Abend des 12. August bietet sich über der Schweiz, bei entsprechendem Wetter, ein aussergewöhnliches Naturschauspiel. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang schiebt sich der Mond vor die Sonne und bedeckt in Frauenfeld rund 90 Prozent ihrer sichtbaren Fläche. Das Maximum der Finsternis tritt ein, wenn die Sonne bereits tief über dem westlichen Horizont steht. Die letzten Minuten des Ereignisses gehen nahtlos in den Sonnenuntergang über.

Auch wenn die Sonne zu diesem Zeitpunkt nur noch als schmale Sichel erscheint, gilt unverändert die wichtigste Regel: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken. Selbst bei einer Bedeckung von 90 Prozent ist die verbleibende Sonnensichel hell genug, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Gewöhnliche Sonnenbrillen, fotografische Filter oder improvisierte Lösungen bieten keinen ausreichenden Schutz.
Für die sichere visuelle Beobachtung haben sich Sonnenfilter aus Baader AstroSolar Folie bewährt. Sie wird vor die Öffnung eines Feldstechers, Spektivs oder Teleskops montiert und reduziert die Intensität des Sonnenlichts auf ein ungefährliches Mass.
Besonders faszinierend wird die Beobachtung mit speziellen H-Alpha-Sonnenteleskopen sein, welche Sternwarten und engagierte Amateure oft verwenden. Während herkömmliche Weisslichtfilter lediglich die Photosphäre, die sichtbare Sonnenoberfläche zeigen, machen H-Alpha-Instrumente eine schmale Spektrallinie des Wasserstoffs sichtbar. Dadurch treten Strukturen der Sonnenatmosphäre hervor, die sonst verborgen bleiben: Filamente, aktive Regionen und vor allem Protuberanzen, gewaltige Bögen aus glühendem Gas, die sich oft zehntausende Kilometer über den Sonnenrand erheben.
Ob dann tatsächlich spektakuläre Protuberanzen sichtbar sein werden, lässt sich erst kurz vor dem Ereignis vorhersagen, da die Sonnenaktivität laufenden Veränderungen unterliegt. Gerade während einer partiellen Finsternis können solche Erscheinungen jedoch besonders eindrucksvoll wirken. Die schmale Sonnensichel lenkt den Blick auf die Randregionen der Sonne, wo Protuberanzen oft am besten zur Geltung kommen.
Tipps zum Fotografieren
Auch fotografisch bietet die Finsternis hervorragende Möglichkeiten. Wer die Landschaft in die Aufnahme einbeziehen möchte, benötigt oft nicht mehr als eine Kamera mit Weitwinkel- oder Normalobjektiv. Brennweiten zwischen 24 und 100 Millimetern ermöglichen stimmungsvolle Bilder mit Horizont, Silhouetten von Bäumen oder markanten Gebäuden. Die verfinsterte Sonne erscheint dabei zwar klein, wird jedoch Teil einer eindrucksvollen Szenerie.
Für Nahaufnahmen der Sonnensichel sind längere Brennweiten erforderlich. Bereits ab etwa 400 Millimetern wird die charakteristische Form der partiellen Finsternis deutlich sichtbar. Mit 600 bis 1000 Millimetern Brennweite lassen sich die feinen Konturen der Sichel formatfüllend darstellen. Ein stabiles Stativ oder sogar eine astronomische Montierung ist dabei unverzichtbar. Bei langen Brennweiten empfiehlt sich zudem die Verwendung eines Fernauslösers oder einer elektronischen Auslösung, um Erschütterungen zu vermeiden.
Als fotografischer Sonnenfilter kann ebenfalls die Baader AstroSolar Folie verwendet werden. Die Sicherheitsfolie eignet sich sowohl für die visuelle Beobachtung, als auch für die meisten fotografischen Anwendungen.Bastelanleitungen für die sichere Verwendung dieser Filterfolie finden sich zahlreich im Internet. Da die Sonne während des Maximums der Finsternis nur noch wenige Grade über dem Horizont steht, ist ein Standort mit freier Sicht nach Westen entscheidend. Wer frühzeitig einen geeigneten Beobachtungsplatz aufsucht und seine Ausrüstung vorbereitet, wird mit einer seltenen Begegnung von Astronomie und Landschaft belohnt. Wenn die schmale Sonnensichel langsam dem Horizont entgegen sinkt, dürfte die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 zu den eindrucksvollsten Himmelsereignissen des Jahres in der Schweiz zählen.
Der Stälibuckturm eignet sich zur visuellen Beobachtung hervorragend, für die Fotografie allerdings nicht, da der Turm leicht in Schwingung gerät. Stabiler Grund mit perfekter Sicht auf die Finsternis bietet die Umgebung zwischen Bühl und Dingenhart.
Finsterniszeiten für Frauenfeld berechnet:
19.20 Uhr Beginn, 12 Grad über dem West – Horizont
20.17 Uhr Maximum, 3.3 Grad über dem Horizont
20.37 Uhr Sonnenuntergang
Die vollständig verfinsterte Sonne kann in Ostgrönland, Westisland, Nordportugal und Spanien beobachtet werden.
Text: Sternwarte Oberherten
Bild: zvg