Frauenfelder Woche

Frauenfeld · 05.08.2026

Ppunkt Jenny: Hier bekommt die Trauer die Zeit, die sie braucht

In Hörhausen bestatten Petra und Peter Jenny nicht nur Menschen. Seit 2025 begleiten sie auch Tiere auf ihrem letzten Weg. Ein Blick hinter die Kulissen des Bestattungsinstituts Ppunkt Jenny.

 

 

Dass die Trauer um einen geliebten Hund einen aus der Bahn werfen kann, erfuhren Petra und Peter Jenny am eigenen Leib. Als Petras Hündin Chedy starb, erlebte sie grosse Trauer, wie sie erzählt. Damals wusste Peter noch nicht, dass ihn diese Trauer auch selbst einmal treffen würde. Fränzi, seine Hündin, verstarb mit drei Jahren. «Das war die schlimmste Trauer, die ich je erlebt habe», sagt der Bestatter. Fränzi war immer bei ihm, sass beim Autofahren auf seinem Schoss, begleitete ihn bei Trauerfeiern, war auf Friedhöfen mit dabei. Diese grosse Trauer habe ihn selbst überrascht, erzählt Peter.
Die Idee, Tierbestattungen anzubieten, entstand nicht allein aus der eigenen Erfahrung. In seinem Alltag merkte Peter, dass auch Tiere trauern. Wenn jemand zu Hause stirbt, achtet Peter Jenny darauf, dass das Haustier, oft der Hund, Abschied nehmen kann, erzählt er. Er legt zum Beispiel die Pfote des Tieres auf die Hand des Verstorbenen. Dabei kam ihm ein Gedanke: Nicht nur Tiere trauern um ihre Halterinnen und Halter, sondern auch umgekehrt. Wie also Abschied nehmen vom geliebten Hund? Tiere lieben bedingungslos, und diese Bindung reisst mit dem Tod nicht einfach ab.
«Unser Angebot ist einzigartig», sagt Petra Jenny, und tatsächlich sind Tierbestattungen hierzulande eine Seltenheit. Die meisten Anbieter beschränken sich auf die Kremation: Sie holen das tote Tier bei der Halterin oder beim Tierarzt ab und bringen die Asche später zurück, teilweise verarbeitet zu einem Erinnerungsstück. Ppunkt Jenny geht einen Schritt weiter und kümmert sich auch um die Zeit davor und danach, ähnlich wie bei einer menschlichen Bestattung. Dazu gehören Aufbahrung und ein eigentlicher Abschied. Für Letzteres haben die Jennys im «Ruhe im Wald» in Steckborn einen Ruheplatz für Tiere eingerichtet. Hier kann die ganze Familie samt Haustieren an einem Baum bestattet werden, möglich wird das mit Einwilligung des Thurgauer Veterinäramts. Die diskrete Infrastruktur, Fahrzeug und Anhänger, steht für alle Arten und Grössen von Tieren bereit, vom Kanarienvogel bis zum Pferd.


Raum für Trauer
Ein Holztisch, massiv und gross, steht im Zentrum des Raumes. Auf der einen Seite eine Küchenzeile mit Kaffeemaschine, auf der anderen ein Empfangsbereich mit Sesseln und einer Liege. Dort führt Petra Jenny ihre Trauergespräche. Kaum haben wir uns gesetzt, klingelt es an der Tür. Ein Mann steht davor, er will die Asche seiner verstorbenen Frau abholen. Was er mit dieser tun wird, weiss er noch nicht, es ist alles ganz plötzlich passiert. Also nimmt sich der Witwer Zeit, um zu überlegen, wo und wie er die Asche bestattet. Manchmal, erzählt Petra Jenny später, bleibe die Urne auch einfach zu Hause.
Wenn sich die Trauernden entschieden haben, was mit der Urne passiert, und wo der Verstorbene bestattet wird, stehen Peter und Petra ihnen zur Seite. Gerufen werden sie aber schon, sobald ein Mensch gestorben ist. Petra Jenny sagt, dass sie die Verstorbenen einkleiden, ihnen zum Beispiel die Lieblingskleidung anziehen. «Wir gehen auf die Wünsche und Bedürfnisse der Verstorbenen und Hinterbliebenen ein.» So bereiten Peter und Petra alles vor, damit die Angehörigen Abschied nehmen können.


Respekt und Anteilnahme
Der Duft spielt ebenfalls eine wichtige Rolle», sagt Petra Jenny. Mit ätherischen Ölen schafft sie einen angenehmen Duft, der die Verabschiedung positiv prägt. Dieser Duft bleibt in Erinnerung, lange nach dem Abschied. Sie erinnert sich an einen besonders bewegenden Moment, als sie mit ihrem Mann einen Verstorbenen im Hospiz verabschiedet hatte: «Als wir mit dem Sarg aus dem Lift stiegen, standen rechts und links die Mitarbeitenden des Hospizes Spalier.» So viel Respekt und Anteilnahme hatten sie gerührt.


Vom Dach zum Sarg
Petra absolvierte eine Ausbildung zur ganzheitlichen Sterbe- und Trauerbegleiterin. Künftig kann sie damit auch jenen Menschen beistehen, die um ein verstorbenes Tier trauern.
Peter Jenny hat Landwirt und Dachdecker gelernt. Als Bauernsohn wuchs er auf, einen eigenen Hof führte er im Erwachsenenalter aber nie. 24 Jahre lang betrieb er die Dachdeckerei, parallel dazu baute er das Bestattungsunternehmen auf. Sein Vorgänger im Bestattungsbereich war nicht selbstständig gewesen, sondern bei Kirche und Gemeinde angestellt. Übernommen hat Jenny das Geschäft deshalb nicht, er schuf es sich selbst von Grund auf. Heute widmet er sich ausschliesslich der Bestattung. Der Sitz von Ppunkt Jenny liegt in Hörhausen auf dem Seerücken, die Aufbahrungsräume befinden sich in Steckborn.
Petra und Peter Jenny sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Inzwischen gebe es aber eine Vertretung, sodass die beiden auch mal in die Ferien verreisen können, sagt Peter. Ganz auf ihre Tätigkeit als Bestatter konzentrieren sie sich trotzdem, sei es von Menschen oder von Tieren.

Text und Bild: Elke Reinauer